Seenotrettung auf dem Mittelmeer: „Ocean Viking“ rettet weiter
Erst am Wochenende hat das Schiff „Ocean Viking“ über 80 Menschen aus Seenot gerettet. Jetzt haben die Helfer erneut 109 Überlebende an Bord gebracht.
dpa/taz | Die „Ocean Viking“ hat am Dienstag bei bei zwei weiteren Einsätzen im Mittelmeer erneut Menschen aus Seenot gerettet. Insgesamt befänden sich 109 Überlebende an Bord, teilte die Hilfsorganisation SOS Méditeranée auf Twitter mit.
Zunächst seien 48 Menschen knapp 100 Kilometer nördlich der libyschen Küste aus einem Holzboot in Seenot gerettet worden, unter ihnen Frauen, sehr junge Kinder und ein Neugeborenes, teilte die Hilfsorganisation SOS Méditerranée am Dienstag auf Twitter mit. Bei einer zweiten Rettungsaktion seien 61 Überlebende von einem Schlauchboot etwa 100 Kilometer vor der libyischen Küste gerettet worden.
Die „Ocean Viking“, die von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen betrieben wird, hatte am Wochenende in Abstimmung mit der italienischen Regierung 82 im Mittelmeer gerettete Migranten nach Lampedusa bringen dürfen. Dies galt als Zeichen einer Änderung der italienischen Flüchtlingspolitik nach dem Antritt der neuen Mitte-links-Regierung und dem Ausscheiden der rechten Lega. Die Organisationen hatten angekündigt, gleich wieder zu einem Rettungseinsatz auszulaufen.
Die italienische Küstenwache rettete nach eigenen Angaben in der Nacht zum Dienstag 90 Bootsflüchtlinge. Sie seien in Abstimmung mit Malta im maltesischen Rettungsgebiet an Bord genommen worden, teilte die Küstenwache mit. Am Abend stimmte Malta zu, diese Migranten zu übernehmen.
Die NGO SeaWatch hatte zudem auf Twitter mitgeteilt, dass die „Ocean Viking“ nach einem weiteren Boot suche, das das Sea-Watch-Flugzeug „Moonbird“ gesichtet habe. In einem späteren Tweet der Organisation heißt es, die „sogenannte libysche Küstenwache“ habe die Menschen zurück auf libysches Festland gebracht.
In diesem Jahr sind bislang nach aktuellen Angaben der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR mehr als 54.200 Menschen über das Mittelmeer nach Europa gekommen. Bei dem Versuch, das Meer zu überqueren, seien 932 Menschen umgekommen oder werden noch vermisst.
Derzeit befinden sich lediglich private Rettungsschiffe auf dem Mittelmeer. Die EU-Mission „Sophia“, die ursprünglich Schleusungen verhindern sollte, aber auch Menschen aus Seenot gerettet hatte, gibt es zwar noch. Dennoch sind seit März 2019 keine Schiffe für die Mission im Einsatz, da die Verteilungsfrage in der EU ungeklärt ist und vor allem Italien die Flüchtlinge nicht aufnehmen wollte. Im August hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Wiederaufnahme der staatlichen Seenotrettung wie mit der „Sophia“ ausgesprochen.
(agr)
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