Schwedischer Wohnungskonzern kauft ein: Malmö in Berlin
Der Konzern Heimstaden kauft mit seiner Tochterfirma Skjerven-Gruppe fast 4.000 Wohnungen. Der Investor wäre damit von einer Enteignung betroffen.
Im August war dann plötzlich von einem Gesamtpaket von 16 Häusern die Rede, darunter fünf in Friedrichshain-Kreuzberger Milieuschutzgebieten. Nun sind die scheibchenweise durchgesickerten Informationen durch eine Mitteilung des Konzerns zu einem großen Ganzen zusammengefügt worden.
Darin heißt es, „dass das Unternehmen einen Kaufvertrag für den Erwerb von 130 Immobilien mit insgesamt 3.902 Wohneinheiten, 208 Gewerbeeinheiten und 321 Stellplätzen in Berlin unterzeichnet hat“. Insgesamt investierte Heimstaden 830 Millionen Euro „durch eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital“. Das entspricht bei einer Gesamtmietfläche von 282.000 Quadratmetern knapp 3.000 Euro je Quadratmeter. Zuvor gehörten die Häuser dem Firmennetzwerk Schönhaus Immobilien; viele der Wohnungen werden als möblierte Appartements vermietet.
Es handelt sich um den größten Immobilienankauf seit Einführung des Mietendeckels. Und der Kauf ist gewagt: Ab November dürfen laut Mietendeckel-Gesetz keine Mietzuschläge mehr für Möblierungen genommen werden. Zudem hat das Volksbegehren Deutsche Wohnen und Co. enteignen die Bescheinigung über seine rechtliche Zulässigkeit erhalten. Wenn im nächsten Herbst die Berliner*innen darüber abstimmen dürfen, ob sie die Vergesellschaftung aller Immobilienkonzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen wollen, betrifft das auch Heimstaden.
Was will Heimstaden?
Laut Eigenbeschreibung ist das Unternehmen, das 2018 auf den deutschen Markt einstieg und im vergangenen Jahr bereits 25 Berliner Häuser kaufte, ein „langfristig orientierter Eigentümer“. Allerdings hat es viele Häuser zu einem derart hohen Preis gekauft, dass die Nutzung des Vorkaufsrechts durch die Bezirke nicht infrage kam. Das Unternehmen versuchte gleichwohl, Mieter*innen zu beruhigen, es schrieb etwa: „Heimstaden wird Ihre Wohnungen nicht als Eigentumswohnungen abverkaufen.“
Genau das ist jedoch nach Informationen der Berliner Morgenpost bei einem der ersten erworbenen Häuser in Wilmersdorf bereits passiert. Von „Osko bleibt“ bis zu den „Fünf Häusern“ sind bereits quer durch die Stadt neue Mieter*inneninitativen der betroffenen Häuser entstanden.
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