Schwarzer Jugendlicher erschossen: US-Polizist wegen Totschlags verurteilt
Laquan McDonalds Tod im Kugelhagel eines Polizisten befeuerte die Debatte über Polizeigewalt in den USA. Nun wurde der Schütze wegen Totschlags verurteilt.

Ein Video einer Polizeikamera hatte den Vorfall vor vier Jahren festgehalten und nach der Veröffentlichung im November 2015 landesweite Empörung ausgelöst. Nach den Schüssen wurde eine Ermittlung der Bundesbehörden eingeleitet, Rufe nach einer Reform der Chicagoer Polizei wurden laut. Der Fall rund um McDonald machte die Metropole zum Zentrum der nationalen Debatte über Fehlverhalten der Polizei und Polizeigewalt.
Die Geschworenen urteilten, es habe sich um Totschlag und nicht Mord gehandelt, weil der Polizist Jason Van Dyke während des Geschehens geglaubt habe, sein Leben sei in Gefahr. Hätte die Jury entschieden, die Schüsse seien unnötig und ohne Grund gefallen, wären die Bedingungen für ein Mordurteil mit einer Haftstrafe von mindestens 45 Jahren gegeben gewesen. Verteidigungsexperte Steve Greenberg sagte, Van Dykes Gefängnisstrafe werde vermutlich maximal bei sechs Jahren liegen.
McDonald hatte ein Messer getragen und war von den Polizeikräften weggegangen, als Jason Van Dyke auf ihn feuerte. Der Polizist sagte aus, der Jugendliche sei auf ihn zugelaufen und habe seine Anweisung, das Messer fallen zu lassen, ignoriert. In dem Video war aber zu sehen, wie McDonald im Kugelhagel zu Boden ging, als er sich von den Polizisten entfernte.
Sonderstaatsanwalt Joseph McMahon sagte, das Urteil biete Gerechtigkeit für afroamerikanische Gemeinschaften weit über Chicago hinaus in den gesamten USA. Ein Sprecher der Familie McDonald erklärte, viele Anwälte hätten einen Sieg vor dem Prozess für unmöglich gehalten. Über das Urteil freue er sich dennoch nicht, denn nun gehe ein Mann ins Gefängnis, bekundete der Geistliche Marvin Hunter. „Ich habe seine Frau und seinen Vater gesehen. Seine Frau und Tochter haben den Abzug nicht gedrückt. Ich habe den Schmerz in diesen Menschen gesehen. Es ärgert mich, dass sie keinen Schmerz in uns gesehen haben.“
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