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Schönheitsideale von MännernBuddylicious, Botox, Bro!

Das eigene Aussehen zu pimpen, ist nicht mehr nur für Frauen ein Thema. Ein Gespräch von Mann zu Mann.

S ag mal, hast du was machen lassen?“, fragt der eine Mann den anderen am Tresen.

„Was meinst du?“

„Na, dein Gesicht, das sieht so knackig, also total glatt aus!“

„Ach, nur ’n bisschen Botox hier und da, dachte, das fällt dir gar nicht groß auf.“

„Hättest du mir ja auch mal erzählen können.“

„Erzähl ich doch jetzt!“

„Wollte Susanne, dass du das machst?“

„Nee, die ist gegen so was.“

Zu eitel für Schönheits-OPs

„Wegen Feminismus?“

„Weiß nicht, sie sagt, sie sei zu eitel für Schönheits-OPs.“

„Und was soll das dann?“

„Ach, bei der Arbeit, da haben wir so ein paar neue Kollegen, Mitte/Ende 20, die machen das alle, alles Mögliche machen die an sich und nennen das Looksmaxxing.“

„Warum machen die das?“

„Wegen der totalen Rundum-Männlichkeit, und klar, auch wegen der Ladys, sagen sie.“

„Tja ja, Frauen erwarten das wohl heutzutage so.“

„Reicht nicht mehr, einfach nur Mann zu sein, nicht mal mit Geld, du brauchst da auch das gewisse Extra!“

„Du musst schon so ’n bisschen knusprig aussehen.“

„Wie ein halbes Hähnchen.“

„Normal, die Frauen haben ja nun selber irgendwie Geld, Job und auch ziemlich viele eigene Gedanken, die sie solo verbreiten, dafür brauchen die vom Ding her keinen Mann mehr, so für Raum und Aufmerksamkeit.“

„Sabine hat jetzt sogar ’n Stammtisch, aber exklusiv, Flinta nennt sich das wohl.“

„Also man sollte jetzt als Mann besser in Schönheit expandieren, um denen zumindest ihre Ur-Bastion wegzunehmen?“

„Ja nu, kommt drauf an, worum es geht, als Politiker vielleicht nicht unbedingt.“

„Der Macron ist schon ein Hübscher.“

„Also ich mein in Deutschland.“

Bei allem Schmäh an zu viel Oberflächlichkeit, vielleicht ist so ’n Typ wie Merz einfach nicht mehr zeitgemäß

„Cem Özdemir ist nicht verkehrt.“

„Und die Nazis haben da diesen Siegmund in Sachsen-Anhalt.“

„Der sieht aus wie Jan Böhmermann mit Looksmaxxing.“

„Du meinst, der wurde auch wegen seines Aussehens gewählt?“

„Man weiß das nicht, meine Oma hat Schmidt und Brandt gewählt, weil das so Polit-Clooneys waren, eigentlich war die eher rechts von der CDU.“

„Dann muss die CDU dem Chef zumindest mal den Champignon vom Kopf rasieren!“

„Bei allem Schmäh an zu viel Oberflächlichkeit, vielleicht ist so ’n Typ wie Merz einfach nicht mehr zeitgemäß.“

„Zumindest wer nix draufhat, sollte schon nach was aussehen.“

„Trump ist jetzt auch keine Helene Fischer.“

„Aber der lässt viel an sich machen, zumindest ist das am Puls der Zeit.“

„Nicht schön, dass der Druck da jetzt auch auf die Männer übergreift. Also ich lass mich davon nicht verrückt machen, ich bleib einfach ich.“

„Du bist gut genug.“

„War das nicht dieser Sommerhit? Und wer glaubt das wirklich?“

„Hm.“

„Merz.“

„So ein Über-Ego ist ganz alte Schule. Und die Frauen haben uns lang genug einfach nur für das geliebt, was wir sowieso noch nie waren.“

„Was sind wir denn?“

„Hubert und Stefan.“

„Und was bedeutet das?“

„Zwei Zellhaufen, zwei X-, zwei Y-Chromosomen, einmal mit Botox, einmal ohne.“

„Machst du das jetzt immer weiter mit dem Botox?“

„Hm, wenn die Leute sich einmal so an dein glattes Gesicht gewöhnt haben, dann will man die ja auch später nicht enttäuschen.“

„Also ich mochte dein Gesicht vorher lieber.“

„Wieso?“

„Ich mag das nicht, wenn alles perfekt aussieht.“

„Warum?“

„Weil sowieso nix perfekt ist.“

„Vielleicht würde Sabine sich freuen, wenn du dir mal ’n bisschen was unterspritzen lässt.“

„Die würde sich freuen, wenn ich mal die Wäsche aufhänge.“

„Habt ihr noch Sex?“

„Was is’n das für ’ne Frage?“

„Ne direkte!“

„Also ich definier mich jetzt ja nicht darüber, ob eine Frau Sex mit mir haben will.“

„Worüber dann?“

Jasmin Ramadan

Jasmin Ramadan

Jasmin Ramadan ist Schriftstellerin in Hamburg. Ihr neuer Roman „Reality“ ist 2025 im im Weissbooks Verlag erschienen. 2020 war sie für den Bachmann-Preis nominiert. In der taz verdichtet sie im 4-Wochen-Takt tatsächlich Erlebtes literarisch.
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