Schmiergeldverdacht: Hausdurchsuchung bei Telekom-Chef
Die Wohnung von Telekom-Chef René Obermann wurde durchsucht. Das war auch dem "heute journal" eine Meldung wert, allerdings ohne Moderatorin und Obermann-Ehefrau Maybrit Illner.
BERLIN/BONN dpa | Die Wohnung von Telekom-Chef René Obermann ist am 31. August von der Bonner Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Grund seien mögliche Bestechungen bei einer ungarischen Telekom-Tochter, berichtete die "Wirtschaftswoche" am Montag. René Obermann betreitet die Vorwürfe. Seine frisch angetraute Ehefrau, die ZDF-Jornalistin Maybrit Illner, mochte diese Meldung am Montag nicht im "heute journal" verlesen. Sie ließ sich durch Klaus Cleber vertreten.
Nach Informationen aus Unternehmenskreisen sind bereits am 31. August bei mehreren Personen Durchsuchungen durchgeführt worden, teils in Büros, teils in Privaträumen - darunter auch bei René Obermann. Die Telekom wies am Montag darauf hin, sie habe bereits am 3. September berichtet, dass die Staatsanwaltschaft Bonn im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens aus den USA bei dem Konzern ermittelte. Es gehe dabei um Vorwürfe gegen die ungarische Magyar Telekom aus dem Jahr 2005. Diese soll der "Wirtschaftswoche" zufolge angeblich Schmiergelder in Millionenhöhe an Regierungsbeamte gezahlt haben, um bei der Regulierung des Marktes und bei der Vergabe von Mobilfunklizenzen Vorteile zu bekommen.
Obermann bezeichnete laut einer Telekom-Mitteilung vom Montagabend den im Magazinbericht genannten Vorwurf der Bestechung als haltlos. Dies werde sich in Kürze zeigen. "Die Telekom arbeitet seit fünf Jahren mit den Ermittlern zusammen. Das aktuelle Vorgehen der Behörden ist der Deutschen Telekom unklar", heißt es in der Mitteilung weiter. Ein Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft wollte sich zu den Durchsuchungen nicht näher äußern. Er bestätigte lediglich, dass es am 31. August Ermittlungen gegeben habe. "Weder zu Personen noch zu Inhalten sage ich etwas."
René Obermann ist seit kurzem mit der ZDF-Journalistin Maybrit Illner verheiratet. Diese hatte wegen der Hausdurchsuchung auf die Moderation des "heute journals" am Montag verzichtet. ZDF-Pressesprecher Alexander Stock bestätigte: "Sie hat selber vorgeschlagen, heute nicht zu moderieren. Sie will vermeiden, dass auch nur der Anschein entsteht, dass Art und Umfang der Berichterstattung mit ihrer persönlichen Situation zu tun haben könnten." Illner hatte erst am 4. September als Moderatorin beim "heute journal" begonnen und vor ihrem Debüt gesagt: "Wenn da irgendetwas geschieht, was im Zusammenhang mit der Firma meines Mannes steht, dann wird das vermeldet. Und das wird mein Mann dann bestimmt auch nicht persönlich nehmen."
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