Schießerei in Berlin: Täter nach tödlichen Schüssen am Zoo auf der Flucht
Am Sonntagabend ist ein Mann am Bahnhof Zoo erschossen worden. Während die Polizei den Täter sucht, werden Forderungen nach mehr Überwachung laut.
dpa/taz | Ein Streit am Bahnhof Zoo in Berlin ist in der Nacht zu Montag tödlich geendet. Auf dem Hardenbergplatz im Ortsteil Charlottenburg wurde ein 30-Jähriger angeschossen und trotz eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen noch am Tatort für tot erklärt.
Die Ermittler suchen nach einer tatverdächtigen Person, die mit einem Fahrzeug vom Tatort flüchtete. Nach bisherigen Erkenntnissen waren zunächst mehrere Personen in einen Streit geraten, bevor aus der Gruppe heraus Schüsse auf den 30-Jährigen fielen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.
Die 1. Mordkommission des Landeskriminalamts ermittelt wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts. Die Ermittlungen zur Identität der beteiligten Personen und den Hintergründen der Tat dauern an. Polizei und Staatsanwaltschaft haben zudem einen Zeugenaufruf gestartet.
Die Leiche des Opfers soll noch am Montag obduziert werden. Die Tatortarbeit am Hardenbergplatz war am Morgen weitgehend abgeschlossen.
Serie von Schießereien
Der Fall reiht sich in eine Serie von Schießereien in Berlin ein. Erst am Freitagabend war in Kreuzberg ein 22-Jähriger vor einem Café angeschossen worden. Der Mann überlebte schwer verletzt. Bei dem Fall dürfte es sich um eine Auseinandersetzung im sogenannten Clan-Milieu handeln. Die Polizei sicherte später das Krankenhaus Neukölln ab, als die Familie des Verletzten dort eintraf. Außerdem gab es zuletzt Schüsse auf einen Imbiss in Mariendorf und eine Gaststätte in Neukölln.
Insgesamt verzeichnet die Berliner Polizei seit einiger Zeit einen Anstieg der Vorfälle mit Schusswaffen – dazu zählen scharfe wie Attrappen, Drohungen wie tatsächliche Schussabgaben. 2025 gab es demnach 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch, das sind 68 Prozent mehr als im Vorjahr 2024. In mehr als 500 Fällen wurde dabei auch geschossen.
Die Schießereien enden aber eher selten tödlich. Bislang hatte es in diesem Jahr einen Toten nach einer Schießerei gegeben: Im Januar war ein 44-Jähriger in Weißensee erschossen worden. Der Prozess zu dem Fall begann in der vergangenen Woche, angeklagt sind drei Brüder. Als Motiv wird „Blutrache“ vermutet. In den Jahren 2024 und 2025 verzeichnete die Polizei insgesamt 9 Tote durch Schüsse in Berlin.
GdP fordert mehr digitale Überwachung
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnte am Montag vor einer „besorgniserregenden Entwicklung“ und forderte neue digitale Instrumente für die innere Sicherheit. „Wir müssen uns ganz offen die Frage stellen, ob die jetzigen gesetzlichen Möglichkeiten überhaupt Einfluss auf solche Taten nehmen können“, sagte der GdP-Landesvorsitzende Stephan Weh. Andere europäische Metropolen wie London seien ein gutes Beispiel. Dort sei die innere Sicherheit bereits ins digitale Zeitalter überführt worden, auch der Datenschutz werde in London „moderner gedacht“, so Weh.
Die Polizei in London setzt unter anderem auf umfangreiche Videoüberwachung und hat auch bereits biometrische Gesichtserkennung in Echtzeit eingeführt. In Berlin wurde das Polizeigesetz erst im vergangenen Winter verschärft. Zwar wurden die Befugnisse auch für Überwachungskameras im öffentlichen Raum ausgeweitet – Live-Gesichtserkennung ist allerdings bislang nicht erlaubt.
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert