Schachstar Magnus Carlsen in Jeans : Kampf ums Publikum
Ex-Schachweltmeister Magnus Carlsen zofft sich mit dem Weltverband. Auch um Kleidungsfragen. Er hat Recht, aber seine Mittel sind die Falschen.
Foto: Dipayan Bose/zuma/imago
D as Problem des Schachspielers Magnus Carlsen ist, dass er sich für Magnus Carlsen hält. Und Magnus Carlsen trägt nun einmal Jeans. Er trägt auch dann Jeans, wenn er in einem Turnier antritt, dessen Dresscode Jeans untersagt, wie – zum Beispiel – bei der gerade beendeten Schnellschachweltmeisterschaft in New York. Aber weil Magnus Carlsen Magnus Carlsen ist, bricht er, statt sich wie fast alle anderen an die Vorgaben zu halten, einen Streit mit dem internationalen Schachverband Fjde vom Zaun und scheidet schmollend aus dem Turnier aus.
Was klingt wie ein Pennäler-Aufstand gegen eine arg konservative Schulleitung in irgendeinem Kästner-Roman, hat einen manifesten Hintergrund: Der Weltverband Fide ist ein reaktionärer Haufen; Magnus Carlsen ist einer der besten Schachspieler aller Zeiten und ein Superstar; der einzige Superstar, den das Schach vorzuweisen hat.
Magnus Carlsen allerdings hat die Nase voll vom klassischen Schach und neue Ideen, wie das Spiel weiterzuentwickeln wäre, und auch potente Geldgeber in der Hinterhand, um diese Ideen auch umzusetzen – seien es neue Formate oder neue Wege der Übertragung. Das freilich gefällt der Fide nicht; sie braucht die paar Sponsoren, die sie hat, um für die Spitzensportler*innen finanziell attraktiv zu bleiben. Und so beharken sich Magnus Carlsen und die Fide schon seit einigen Jahren immer wieder. Was aussieht wie ein lächerlicher kleiner Streit, ist in Zeiten, in denen Vermarktung immer wichtiger wird, ein Kampf ums Publikum und um die Zukunft dieses Sports.
Das Problem an diesem Streit ist, dass Magnus Carlsen Magnus Carlsen ist. Im Grunde hat er recht: Mit dem Verband stimmt vieles nicht, aber: Als Magnus Carlsen schafft er es nicht, seine Kritik und sein Anliegen anders zu verkaufen, als auf, nun ja, dicke Hose zu machen. Es hält sich ja hartnäckig das Vorurteil, Schachspieler*innen seien schlauer als andere Spitzensportler*innen. Angenommen, das stimmt, wird man feststellen müssen: Auch in dieser Hinsicht ist Magnus Carlsen seinem Sport entwachsen.
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