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Rybakina gewinnt erstmals in AustralienWille und Wucht reichen nicht

René Hamann
Kolumne
von René Hamann

Bei den Australian Open im Tennis besiegt Elena Rybakina die Nummer 1 der Welt. Dabei sah es lange nach einem Sieg von Aryna Sabalenka aus.

Da fliegt der Zopf: die Siegerin von Melbourne, Elena Rybakina Foto: ap/dpa

D iesmal nicht. Kurz sah es so aus, als ob sich Geschichte wieder einmal wiederholen könnte. Denn Aryna Sabalenka, amtierende Nummer 1 im Frauentennis, und Elena Rybakina, Herausforderin, standen sich am selben Ort schon einmal im Finale der Australian Open, des ersten Grand Slam des Jahres, gegenüber: Im Januar 2023 war das. Rybakina gewann damals den ersten Satz 6:4, Sabalenka konterte im zweiten mit 6:3 und gewann schließlich das Spiel im dritten Satz mit 6:4. Sogar der Schiedsrichter war damals derselbe.

Auch an diesem Samstag, den 31. Januar 2026, holte sich Rybakina mit einer Mischung aus Druck und Raffinesse den ersten Satz mit dem exakt gleichen Ergebnis: 6:4. Um schließlich im zweiten Satz etwas nachzulassen – während ihr Gegenüber zu alter Stärke, zu der ihr typischen Mischung aus Wucht und Wille zurückfand. Kleiner Unterschied zu 2023: Sabalenka holte den Satz mit 6:4, ließ also ein unwesentliches Spiel mehr zu als damals.

Und auch der dritte Satz schien das Versprechen der Wiederholung zu halten. 3:0 führte Sabalenka, schien überlegen, Rybakina zu verhalten. Da rief Rybakinas Trainer ihr zu, dass sie mit mehr Energie spielen sollte. Mehr Energie! Und plötzlich kippte das Spiel.

Rybakina, mit einer schnurgeraden Rückhand gesegnet, zog wieder an, holte das Rebreak, breakte erneut, schwächelte auch beim eigenen Aufschlag nicht, sondern beendete das Spiel mit einem halben und einem ganzen Ass zum 6:4. Endstand: 6:4, 4:6, 6:4; der Fluch war gebrochen, die Kasachin holte ihren zweiten Grand Slam nach Wimbledon 2022.

Zwei Postsowjetinnen in Downunder

Sabalenka schien geknickt: Sie stand hier zum vierten Mal hintereinander im Finale und verlor es zum zweiten Mal in Folge. Letztes Jahr hieß die überraschende Triumphatorin Madison Keys, dieses Jahr war es in einem rein postsowjetischen Finale Elena Rybakina.

Osteuropa ist traditionell stark im Damentennis, nicht erst seit dem Untergang des Warschauer Pakts. Sabalenka ist 1998 in Minsk geboren und blieb ihrer Heimat auch bislang treu; kleine Anfeindungen von Seiten ukrainischer Spielerinnen ließ sie meist von sich abperlen. Rybakina ist in Moskau geboren, 1999, sie ist also ein Jahr jünger. Sie wurde in Deutschland entdeckt und startet schon seit einiger Zeit für den kasachischen Verband, dessen Führungsriege es sich nicht nehmen ließ, mit ihr im Stadion von Melbourne zu feiern.

Im Turnierverlauf blieb auch Iga Swiatek aus Polen auf der Strecke. Sie muss sehen, dass sie neben Sabalenka jetzt noch eine andere große Konkurrentin im Feld hat. Deutsche spielten dieses Mal keine Rolle.

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René Hamann
Redakteur Die Wahrheit
schreibt für die taz gern über Sport, Theater, Musik, Alltag, manchmal auch Politik, oft auch Literatur, und schreibt letzteres auch gern einmal selbst.
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