Russisches Paralympics-Team: Mit Dank von und für Putin
Russlands Paralympics-Team kehrt in die Heimat zurück und freut sich über Geld und Orden. Der erste Schritt zur Rückkehr in den Weltsport ist getan.
B lumen gab es für die Frauen, Siegerschecks der Sponsoren über 1 Million Rubel und jede Menge Applaus. Es war einiges organisiert worden für die Rückkehr des russischen Teams von den Paralympics aus Mailand und Cortina am Flughafen Wnukowo in Moskau mitten in der Nacht auf Dienstag. Der Höhepunkt des Empfangs für das Team um die Paralympic-Champions Warwara Worontschichina und Iwan Golubkow, die bei der Schlussfeier die russische Fahne getragen hatten, war dann das gemeinsame Absingen der Nationalhymne.
Bald wird es einen Empfang bei Wladimir Putin geben, bei dem der Staatspräsident den erfolgreichen Sportlerinnen und Sportlern dann einen Orden anheften wird. Das hat Pawel Roschkow, der Präsident des Paralympischen Komitees Russlands, gleich am Flughafen angekündigt.
Per Telegramm hat Putin seine Glückwünsche schon übermittelt. Und Roschkow bedankte sich brav beim Präsidenten, ohne den die Erfolge, die das kleine, sechsköpfige Team in Italien auf Platz drei des Medaillenspiegels gehievt haben, nicht möglich gewesen seien. Es ist also gekommen, wie es nicht anders zu erwarten war. Der Sport wird propagandistisch ausgeschlachtet.
Auch die Kommentatoren der großen russischen Sportportale feiern die Rückkehr des Landes auf die große Bühne des Weltsports. Wie üblich geschieht das, ohne wirklich zu erwähnen, warum es zum Ausschluss russischer Sportler von internationalen Wettbewerben gekommen ist. Kein Wort fällt da über den Angriff Russlands auf die Ukraine, den seit 2022 währenden Eroberungsfeldzug. Wenn die Ukrainer erwähnt werden, dann werden sie als wahre Nervensägen des Sports hingestellt.
Paralympics als Vorreiter
Der Sport Express würdigt in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Rolle von Andrew Parsons, dem Präsidenten der Internationalen Paralympischen Komitees. Unter dessen Führung war im vergangenen Herbst der Bann gegen russische Athletinnen und Athleten aufgehoben worden. Nun wird Parsons dafür gefeiert, dass er das Team der Ukraine mal so richtig in den Senkel gestellt hat. Nachdem sich die ukrainische Delegation über diskriminierende Maßnahmen des Organisationskomitees beschwert hatte, hatte Parsons gesagt, die Beschwerden seien ein Versuch gewesen, vom Sport abzulenken.
Warum die ukrainische Paralympicsiegerin Olexandra Kononowa vor der Siegerehrung dazu aufgefordert worden war, ihre in den ukrainischen Landesfarben gehaltenen Ohrringe abzunehmen, konnte Parsons dagegen nicht erklären. Sein Verband habe mit der Wiedereingliederung Russlands, mit der Wiederzulassung der russischen Fahne und Hymne Mut bewiesen, so heißt es im Sport Express, Mut, den IOC-Präsidentin Kirsty Coventry vor den Spielen in Mailand und Cortina nicht besessen habe. „Holt den russischen Sport zurück!“, kommentierte dementsprechend das russische Portal sports.ru.
Die Paralympics hätten gezeigt, wie schnell sich Protest gegen Russland auch wieder legen würde. Sei die Eröffnungsfeier noch von 14 Teams boykottiert worden, blieben der Schlussfeier neben der Ukraine nur Litauen und Estland aus Protest fern. Protestaktionen wie die der Deutschen bei der Siegerehrung für die Langläuferin Anastasia Bagijan seien sowieso die absolute Ausnahme gewesen.
Die Paralympics hätten im Kleinen gezeigt, wie die Rückkehr Russlands in die große Sportwelt aussehen könnte. „Ja, viele werden darüber reden, einige werden mit Boykotten drohen“, heißt es in dem Kommentar, „aber sechs Monate werden vergehen, die Fußballspieler werden ein paar Spiele bestritten haben, die Leichtathleten ihre Auftritte gehabt haben – und das Thema wird vergessen sein.“
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert