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Russische Öl-EinnahmenDie Preise fallen unter die Schmerzgrenze

Russland bekommt die Folgen der westlichen Sanktionen inzwischen hart zu spüren. Doch ein wirtschaftlicher Kollaps ist noch nicht in Sicht.

Der Öltanker „Antigua I“ liegt im Dezember 2025 zum Beladen im russischen Hafen Noworossijsk am Schwarzen Meer Foto: Vitaly Timkiv/SNA/imago

Dem russischen Staat machen die westlichen Sanktionen immer mehr zu schaffen. Die Einnahmen aus Ölexporten sind im November auf den niedrigsten Stand seit der russischen Vollinvasion in die Ukraine gefallen. Das belegen die Zahlen des finnischen Centre for Research on Energy and Clean Air (Crea).

Mit dem jüngsten, dem 19. EU-Sanktionspaket wurde der Leiter eines neu eingerichteten Masterstudiengangs „Umgehung von Sanktionen“ an Moskaus Higher School of Economics auf die Strafliste Europas gesetzt. Der Kreml versucht alles, um seine Exporterlöse aus Verkäufen von Öl und Gas hoch zu halten. Rund 800 Schiffe, meist alt und keines mehr mit dem Schutz weltweit anerkannter Versicherungsunternehmen ausgestattet, bringen russisches Öl unter Umgehung der westlichen Sanktionen auf die Märkte – zumeist nach China, Indien und in die Türkei.

„Wir machen es Moskau immer schwerer, sein Öl zu vernünftigen Preisen zu verkaufen“, sagt der EU-Sanktionsbeauftragte David O’Sullivan. Tatsächlich bekommt das Land seit Wochen pro Barrel (159 Liter) exportierten Rohöls nur noch maximal 40 Dollar, so wenig wie zuletzt in der Coronakrise, in der die Energienachfrage drastisch einbrach. Aktuell wird für Öl, das vom russischen Hafen Noworossijsk exportiert wird, pro Barrel nur noch 34,50 Dollar gezahlt.

Angesichts deutlich höherer Förderkosten in Russland gegenüber konkurrierenden Konzernen in arabischen Ländern ist damit die Schmerzgrenze erreicht. Die Folgen für Russlands Staatshaushalt sind dramatisch. „Langsam, aber sicher“ würden die Sanktionen gegen den Kreml Wirkung zeigen, sagt O’Sullivan. Auch Indien hat russische Ölkäufe inzwischen gedrosselt.

Ebbe in den Kreml-Kassen

Aber: Auch wenn die Ölausfuhren klar rückläufig sind, erlöst Moskau noch immer 489 Millionen Euro mit Exporten fossiler Brennstoffe – pro Tag. Und zwei Drittel der Öllieferungen würden mit der russischen „Schattenflotte“ transportiert, die unter westlichen Sanktionen gestellt wurde, so die Crea-Ermittlungen. Vor dem Überfall der Ukraine wurden durch Energieexporte täglich etwa 1 Milliarde Euro in russische Kassen gespült. Vor allem die von US-Präsident Donald Trump im Oktober verhängten Strafmaßnahmen gegen die größten russischen Ölkonzerne, die mehrheitlich staatliche Rosneft und die private Lukoil, haben bisherige Kun­d:in­nen verunsichert.

Die geringere Absatzmenge und der überbewertete Kurs des Rubels haben inzwischen zur Ebbe in den Kreml-Kassen geführt: Hatte das Finanzministerium für 2025 ursprünglich mit einem Haushaltsdefizit von 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gerechnet, lag dies bereits vor dem traditionell extrem ausgabenstarken Dezember bei 1,7 Prozent. Auf das Gesamtjahr gerechnet gehen Ökonomen von einem Haushaltsdefizit von 2,6 bis 3,1 Prozent aus.

Besserung ist nicht in Sicht: Moskaus Wirtschaftsministerium berechnet in der jüngst vorgelegten 20-Jahres-Prognose bis 2042 stetige Haushaltsdefizite voraus, in Höhe von 2,9 Prozent im positiven und 8,4 Prozent im negativen Szenario. Demnach steigen die Staatsschulden in dem seit zwei Jahrzehnten wegen seiner großen Energieexporte mit Haushaltsüberschüssen verwöhnten Land von heute 17,7 Prozent des BIP auf 32,2 (positives Szenario) bis 70 Prozent (negatives Szenario).

Das positive Szenario geht laut dem vom Moskauer Wirtschaftsblatt Wedomosti veröffentlichen Plan von einem durchschnittlichen Preis von 69 Dollar pro Barrel russischen Ural-Öls aus und von 3 Prozent Wirtschaftswachstum jährlich.

Mehrwertsteuer steigt

Die Realität ist trüber: Russland steckt in einer Stagflation: Das Wachstum der vergangenen Jahre droht in eine leichte Rezession zu wechseln, da fast allen Sektoren neben der Rüstungsbranche erheblich schwächeln. Zugleich ist die Inflation mit 6,6 Prozent weiter hoch. Ein Leitzins von 16 Prozent – höher als in der kriegsgeschundenen Ukraine – ermöglicht kaum noch private Investitionen. Um die Kriegskosten zu finanzieren, erhöht Kremlchef Wladimir Putin die Mehrwertsteuer zum Jahresbeginn von 20 auf 22 Prozent und schafft fast alle Steuerprivilegien für den Mittelstand ab.

Schon jetzt zahlt Russland für den Schuldendienst so viel wie Großbritannien. Darauf weisen die russischen Finanzanalysten Alexander Kolyandr und Alexandra Prokopenko hin. Sie sagen eine Staatsschuldenkrise voraus. Doch auch 3 Prozent Haushaltsdefizit oder ein Schuldenstand von 70 Prozent wären im Vergleich zu den hohen Budgetlöchern und Staatsschulden vieler EU-Länder gering. Gefährlich würden nur richtig harte Sanktionen: Ein von westlichen Staaten verhängter Ölpreisdeckel für russisches Rohöl von 30 Dollar pro Barrel hätte dem Land seit dem Ukraine-Überfall 162 Milliarden Euro Einnahmen genommen. Allein im November hätte Moskau laut Crea ein Drittel weniger kassiert.

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15 Kommentare

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  • Ich bin ja mal gespannt, ob wir jetzt auch die USA wegen des "Amerikanischen Angriffskrieges gegen Venezuela" sanktionieren....

    • @buddhafragt:

      Und ich bin gespannt, ob BSW und Co jetzt Venezuela zu “Diplomatie” auffordern, weil es ja “Wahnsinn” sei, sich gegen eine Atommacht zu wehren.

      • @Suryo:

        Btr. Zitat:

        "... weil es ja “Wahnsinn” sei, sich gegen eine Atommacht zu wehren."

        Venezuela hat sich bisher gar nicht wirklich militärisch gewehrt und hat auch keine Gegewehr ausserhalb des eingenen Staatsgebietes angekündigt.

        Es hat z.B. keine Versuche gegeben Schiffe oder Flugzeuge von denen aus Venezuela angegriffen wird zu beschießen.



        Obwohl Venezuela für seine Su-30 u.a. Anti-Schiff-Raketen mit recht hoher Reichweite hat.

        Alleine die direkt angegriffenen Soldaten in Caracas haben bei der Entführung wohl zurückgeschossen, mit mäßigem Erfolg.

        Im Gegenteil im Vorfeld des US-Angriff hatte Venezuela Gespräche mit den USA angeboten btr. US-Öl-Interessen.

        • @Jörg Heinrich:

          Na, dann hat Venezuela sich ja vorbildlich verhalten.

  • Seit drei Jahren wird uns ständig erzählt das Russland jetzt wirtschaftlich "am Ende" ist.

    Es hat bisher nie gestimmt und ich glaube kaum das es heute stimmt.

    Zu Erinnerung das Wirtschaftswachstum Russlands seit Kriegsbeginn:

    2022: -1,2%



    2023: +4,1%



    2024: +4,2%



    2025: +1% oder mehr -- nach ersten Schätzungen.

    Wichtige Fakten werden völlig ausgeblendet.

    1.) Russland ist real kaufkraftbereinigt mit rund 7300 Milliarden USD die 4.-größte Volkswirtschaft.

    2.) Russland ist sehr wenig "Aussenhandels-orientiert" wir reden von vielleicht 300 Millarden USD jährlichen Importen.

    3.) Russland hat stabil Aussenhandelsüberschuss, auch heute, das mag sinken aber von einem Aussenhandelsdefizit ist nicht in Sicht.

    Derzeit liegt der Aussenhandelsüberschuss bei ca. knapp 100 Milliarden USD pro Jahr, die Exporte bei ca. knapp 400 Millarden.

    Mehr noch der Ölpreis-Brent liegt bei 60USD pro Barrel, "futures" für 2027/28 darüber bis zu 68 USD.

    Da weniger als 50% aller russ Exporte Energieexporte sind müsste die russ. "Öl-Einnahmen" um mehr als 50% sinken damit der Aussenhandelsüberschuss "verschwindet".

    Das ist sehr unwahrscheinlich.

    Quellen:

    Statistik-Portale wie:



    tradingeconomics_dot_com

    • @Jörg Heinrich:

      >Aussenhandelsdefizit ist nicht in Sicht<

      Kreditwürdigkeit gleich Null. Importe nur im Wege des Tauschhandels - da ist es schwer, ein Außenhandelsdefizit zu erreichen.

      • @A. Müllermilch:

        Btr. Zitat:

        "Kreditwürdigkeit gleich Null. Importe nur im Wege des Tauschhandels - da ist es schwer, ein Außenhandelsdefizit zu erreichen."

        Gemessen an den statistischen Fakten kann man das kaum stehen lassen.

        Also, die Fakten:

        1.) Bereites vor dem Krieg war China der größte Handelspartner im Import und Export.



        --> China handelt mehr mit Russland als vorher



        --> Die Handelsbilanz in ungefähr ausgeglichen



        --> Verrechnet wir nur nicht mehr via SWIFT in USD sonder in YUAN und Rubel via CIPS

        2.) Die Importe Russlands insgesamt sind nicht oder kaum gesunken:

        Importe 2025: ca. 300 Milliarden USD:



        Importe 2021: ca. 330 Milliarden USD:



        Importe 2019: ca. 270 Milliarden USD:

        3.) Die Zentralbank-Reserven liegen bei ca 650 Milliarden USD (nominel) in "Fremdwärungen" und Gold.



        Die Staatsverschuldung bei 18% des BIP nominel.

        Somit:



        Stabiler Aussenhandelsüberschuss + geringer Staats-Verschuldung + geringe Staatsquote von ca. 36% + Wirtschaftswachstum.



        --> Somit kein grundlegendes Problem mangelnder Kreditwürdigkeit.

    • @Jörg Heinrich:

      Sie blenden vollkommen aus, dass Russland auf Kriegswirtschaft umgestellt hat. Das “Wachstum” geht darauf zurück - nur leider sind Waffen und Munition reine Verbrauchsgüter. Nichts wird investiert, nichts Neues geschaffen. Das ist ein Scheinwachstum. Die Löhne steigen, weil so viele junge Männer dem



      Arbeitsmarkt entzogen wurden, aber das lässt sich von den Unternehmen eben auch nicht durchhalten, zumal mit den ganzen toten Soldaten ja auch Verbraucher wegfallen.

      • @Suryo:

        Btr. Zitat:

        "Sie blenden vollkommen aus, dass Russland auf Kriegswirtschaft umgestellt hat. Das “Wachstum” geht darauf zurück "

        Rechnen wir mal:

        Wirschaftswachstum 2022 zu jetzt: ca. +8%



        (-1,2 in 2022, +4,1 in 2023, + 4,2 in 2024, + 1,x in 2025)

        Militärausgaben relativ zu GDP:



        2020: 4,2%



        2021: 3,6%

        2025: 5,7%

        Fazit:

        Das russ. Wirtschaftswachstum seit Kriegsbegin war größer als der gesamte Militärhaushalt heute groß ist.

        Zahl der Beschäftigten:

        Ende 2021: 72,9 Millionen



        Ende 2025: 74,8 Millionen

        Fazit:



        Statistiken lesen bildet

        Quellen:

        Statistik-Portale wie:

        tradingeconomics_dot_com

        • @Jörg Heinrich:

          Kriegswirtschaft ist doch nicht dasselbe wie Militärhaushalt.

          Wo soll denn in Russland irgendwo echtes wirtschaftliches Wachstum sein? Wo wird gegründet, investiert, welche Unternehmen vergrößern sich?

  • Der Preis liegt seit geraumer Zeit bei 34 USD. Die angeblich nicht vorhandene Staatsverschuldung ist nur Fake & Propaganda: Die Schulden sind einfach an die Regionen weitergereicht worden. Das hätte sich leicht ordentlich recherchieren lassen...



    Ich denke, spätestens im Frühsommer wird es für die Russen so richtig bergab gehen resp. das ganze Kartenhaus implodieren. Die immer verzweifelteren Propaganda-Stunts zeigen ja, dass denen das Wasser schon bis zum Halse steht... in diesem Sinne: Frohes Neues uns allen;-)

  • Wenn jetzt noch die Umgehungen der Sanktionen wirksam bekämpft würden - es könnte so viel erreicht werden. Doch der Eindruck lässt sich nicht entkräften, dass die Politik vieler EU Staaten, einschließlich Deutschland, daran kein wirkliches Interesse zeigt. Es mindert dann die Profite der hiesigen Wirtschaft und das geht doch nicht...

  • Ein wirtschaftlicher Kollaps wäre den Russen zu wünschen. Dann würden sie ihren Diktator loswerden und wieder für ein paar Jahre die Chance auf Demokratie haben. Vielleicht machen sie es diesmal besser

    • @Horst Sörens:

      Der Machtapparat hat das Narrativ gesetzt, dass die Demokraten schuld an der Krise der 90er waren. Da wird ein Auswechseln der Führungsperson nicht reichen.

  • OK, die effizienteste Methode, die russische Wirtschaft abzuwürgen wäre also ein konsequentes Vorgehen gegen die Schattenflotte, wie es Finnland vorführt. Denselben Mut sollte man den anderen Ostseeanrainern wünschen.