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Ronaldos AbschiedObrigado. Não, obrigado.

Portugals Aus gegen Spanien ist auch das Ende der Ära Ronaldo. Hoffentlich. Findet unser Autor, der CR7 aber noch etwas mitgeben will.

Lieber Cristiano Ronaldo,

das ist tatsächlich der erste Abschiedsbrief, den ich jemals schreibe – also sehen Sie es mir nach, wenn ich nicht immer den richtigen Ton treffe. Man bekommt Sie hier in Europa ja sowieso kaum noch zu Gesicht. Klar, ich weiß auch, dass Sie gerade irgendwo in Nordamerika unterwegs sind oder vielleicht schon im Flieger nach Saudi-Arabien sitzen, zu Ihrem Kumpel Mohammed bin Salman. Vielleicht brettern Sie auch gerade schon wieder mit einem ihrer 41 Sportwagen durch Riad oder hängen in Ankara mit Ihrem Buddy Donald Trump ab. Keine Ahnung, irgendwas davon wird es schon sein.

Warum ich Ihnen schreibe, dürfte uns beiden klar sein: Das war’s. Ihre Karriere ist vorbei – jetzt endlich auch in der Nationalmannschaft. Meiner Meinung nach zwar ein paar Jährchen zu spät, aber gut: Geschmackssache. Sie werden das vermutlich etwas anders sehen.

Zunächst einmal möchte ich Ihnen aber gratulieren. Als jemand, der Ihre Karriere mehr oder weniger von Anfang an mitverfolgen durfte – gut, knapp ein Jahr nach Ihrem Profidebüt wurde ich geboren –, muss ich anerkennen: Sportlich war das schon beeindruckend. Knapp 1.000 Tore schießt man schließlich nicht mal eben so. Fünfmal Weltfußballer, fünfmal Champions-League-Sieger und dazu unzählige Meisterschaften und Pokale. Davor kann ich nur den Hut ziehen. Also: Glückwunsch.

Ihr erstes Tor: Boah!

Ihre ersten Jahre habe ich leider verpasst – ich war schlicht noch zu klein. Zum Glück erzählen Sie Ihrem Hofjournalisten Piers Morgan regelmäßig davon, sodass auch ich mir inzwischen ganz gut vorstellen kann, wie das damals gewesen sein muss. Ihr erstes Tor beschreiben Sie so: „Es war unglaublich gut. Boah. Unglaubliches Tor. In dem Moment haben die Leute gesagt: Der wird mal richtig gut.“ Danke für diese bescheidene Einordnung.

So richtig auf dem Schirm hatte ich Sie dann ab 2009: Als Sie für 94 Millionen Euro zu Real Madrid wechselten – und als gegen Sie ein Vergewaltigungsvorwurf öffentlich wurde. Wobei ich Letzteres damals natürlich noch gar nicht verstanden habe. Als Kind interessierten mich eher Ihre Tore als Gerichtsakten. Und vor allem Ihre Freistöße. Sie standen dabei immer so herrlich breitbeinig da, dass ich fest davon überzeugt war, Sie müssten einfach dringend auf die Toilette. Das sind eben die Gedanken, die man mit sechs so hat.

Na ja, ganz ehrlich: Ihre Art mochte ich damals schon nicht. Deshalb hing irgendwann auch ein riesiges Lionel Messi-Poster in meinem Kinderzimmer. Ich fand Sie einfach zu arrogant. Und ehrlich gesagt, hat sich daran bis heute nicht viel geändert. Eine Ausnahme gab es allerdings: Als Sie, da war ich ungefähr 14 oder 15, völlig überraschend in einem meiner Fifa-Packs auftauchten. Das war dann wohl unser persönlicher Höhepunkt.

Tut mir leid, vielleicht

Nun gut, meine Videospielkarriere endete vor ungefähr vier Jahren. Genau dort hätte Ihre Fußballkarriere meiner Meinung nach ebenfalls enden können. Stattdessen entschieden Sie sich für den Wechsel nach Saudi-Arabien, zu Al-Nassr. Ein Verein, dessen Trikot aussieht, als bekäme man es nach dem hundertsten Einkauf kostenlos bei Lidl dazu. Mehrheitsbesitzer ist der saudische Staatsfonds PIF, der unter der Kontrolle von Kronprinz Mohammed bin Salman steht. Der machte Sie zum ersten Fußballmilliardär der Geschichte. Im Gegenzug rühren Sie die Werbetrommel für ein Land, in dem Homosexualität unter Strafe steht, Jour­na­lis­t*in­nen inhaftiert werden und freie Meinungsäußerung nicht existiert. „I came for football, I stayed for more.“ Na ja.

Pünktlich zu Europa- und Weltmeisterschaften tauchten Sie dann trotzdem immer wieder auf meinen Bildschirmen auf. Im Achtelfinale der Weltmeisterschaft 2026 dann wohl zum letzten Mal. Sie flogen gegen Spanien aus dem Turnier und verließen den Platz unter Tränen. Tut mir leid. Also nicht wirklich.

Mir werden Sie künftig jedenfalls deutlich seltener begegnen. Ich schaue nämlich keine Saudi Pro League. Sorry dafür. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auf Ihrem weiteren Weg alles Gute. Sagt man, glaube ich, so – auch wenn man es nicht immer so meint.

Liebe Grüße

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