Rettung fürs Klima: Lockdown bringt nichts, Geld schon

Pandemie, alle bleiben zu Hause und schon ist die Sache mit dem Klimawandel gelöst? So einfach ist es nicht, zeigt nun eine Studie.

Menschenleere Straße im dunklen New York, im Vordergrund ein Zebrastreifen

Leere Straßen während des Lockdowns bringen klimaschutzmäßig zu wenig Foto: Jeenah Moon/reuters

BERLIN taz | Klares Wasser in der Lagune von Venedig, wilde Tiere in verlassenen Innenstädten, der Ölpreis im Keller und Fluggesellschaften vor dem Ruin – manchmal macht sich bei UmweltschützerInnen klammheimliche Freude breit, wenn es um die Folgen der weltweiten Coronapandemie geht.

Jetzt aber hat ein internationales Forscherteam das mal mit Blick auf den Klimawandel näher untersucht und kommt zu der Erkenntnis: Allein für sich bringt Corona kaum etwas fürs Klima – aber die Hilfspakete für die Wirtschaft könnten einen deutlichen Fortschritt bringen.

Die Gruppe um Piers Forster von der Universität Leeds hat in einer Studie in der Zeitschrift nature climate change die gobalen Bewegungsdaten analysiert, die anonymisiert von Google und Apple zur Verfügung gestellt wurden – denn der Verkehr zeigt in der Pandemie die größten Veränderungen bei den CO2-Emissionen und der Luftverschmutzung durch Stickoxide und Schwefeldioxid.

Das Ergebnis: Von Februar bis Juni 2020 sind zwar die CO2-Emissionen zeitweise um etwa 30 Prozent eingebrochen, aber das wird durch den gleichzeitigen Rückgang der kühlenden SO2-Emissionen fast ausgeglichen. Unterm Strich bleibe bis 2030 etwa 0,01 Grad weniger Erwärmung als ohne Pandemie, während wir nur noch ein paar Jahre haben, bis wir eine globale Erwärmung von 1,5 Grad erreicht haben, ab der es wirklich gefährlich wird.

Nur Dekarbonisierung hilft wirklich

Das bringt also nicht viel. „Das globale Temperatursignal durch die kurzfristige Pandemie-Dynamik ist wahrscheinlich klein“, heißt es. „Das zeigt, dass ohne eine langfristige systemweite Dekarbonisierung der Volkswirtschaften selbst massive Veränderungen im Verhalten nur zu einer bescheidenen Reduktion der Erwärmungsrate führt.“

Allerdings, schreiben die Autoren, könnten die Billionen von Dollars, Euros und Yuan, die nun für die „grüne Erholung“ der Wirtschaft angekündigt sind, den Unterschied machen und „die Welt auf die Spur setzen, um das Temperaturziel des Pariser Abkommens in Sicht zu halten“.

Werden die Hilfsprogramme richtig investiert (in erneuerbare Energien, saubere Mobilität, andere Landwirtschaft, Renaturierung), könnten sie bis 2050 eine zusätzliche Erwärmung von 0,3 Grad verhindern. Bislang sieht es da aber noch mau aus: Von 17 untersuchten Ländern gaben bisher 13 mehr Geld für die Rettung fossiler Strukturen aus als für klimaschonende Maßnahmen, fand im Juni der “Green Stimulus Index“ der Initiative „Finance for Biodiversity“.

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Jahrgang 1965. Seine Schwerpunkte sind die Themen Klima, Energie und Umweltpolitik. Wenn die Zeit es erlaubt, beschäftigt er sich noch mit Kirche, Kindern und Konsum. Für die taz arbeitet er seit 1993, zwischendurch und frei u.a. auch für DIE ZEIT, WOZ, GEO, New Scientist. Autor einiger Bücher, Zum Beispiel „Tatort Klimawandel“ (oekom Verlag) und „Stromwende“(Westend-Verlag, mit Peter Unfried und Hannes Koch).

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