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Antisemitischer Gast bei Tucker CarlsonDer Holocaust als Ansichtssache

Nicholas Potter

Kommentar von

Nicholas Potter

Geschichtsrevisionisten bekommen auf X ein Millionenpublikum und offenbaren den Antisemitismus der Republikaner. Erneut ist Tucker Carlson involviert.

H olocaust-Relativierung dürfte selten so ein großes Publikum genossen haben: Am vergangenen Montag lud der rechtspopulistische Moderator Tucker Carlson den revisionistischen Möchtegernhistoriker Darryl Cooper in seine Sendung auf X/Twitter ein. Cooper sei der „beste und ehrlichste Populärhistoriker in den USA“, schrieb Carlson an seine knapp 14 Millionen Follower.

Was folgte, war schlichte Desinformation über die industrielle Massenvernichtung der Jüdinnen und Juden. Dass Millionen Menschen in deutschen Lagern „ums Leben gekommen“ seien, habe nur an Überforderung und Planlosigkeit gelegen, so Cooper: Die Nazis hätten schlicht nicht die Ressourcen gehabt, sich um sie zu kümmern. Weiter im Gespräch, das über zwei Stunden dauerte, sagte er, dass Churchill und nicht Hitler der eigentliche Oberbösewicht des Zweiten Weltkriegs gewesen sei.

Die Auslöschung der Jüdinnen und Juden war erklärtes Ziel der Nazis, die Shoah akribisch geplant. In Gaskammern und durch Exekutionskommandos ermordeten sie sechs Millionen von ihnen sowie Millionen weitere nichtjüdische Menschen.

Holocaust-Leugnung ist ein Evergreen unter Antisemit*innen. Carlsons Gespräch mit Cooper zeigt jedoch, wie Geschichtsrevisionismus zunehmend normalisiert wird. Darüber freute sich der bekannte Holocaust-Leugner David Irving in der Kommentarspalte: „Ich bin froh, dass wir im Mainstream-Narrativ sind, aber es wäre schön, eine Anerkennung zu bekommen“ – mit Zwinkersmiley.

Sehr interessant. Sehenswert.

Elon Musk zu Coopers Thesen

Das Video wurde bereits über 33 Millionen mal angeschaut. X-Chef Elon Musk teilte es und schrieb „Sehr interessant. Sehenswert“, bevor er nach heftiger Kritik den Kommentar wieder löschte. Nun wird Carlson von einigen Republikanern kritisiert, nur Wochen nach seinem Auftritt als Stargast bei deren Parteitag. Doch Trump und Vance halten weiterhin zu ihm und machen mit ihm Wahlkampf. In der heutigen Republican Party scheint der Holocaust lediglich eine Ansichtssache zu sein.

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Nicholas Potter

Nicholas Potter Redakteur

Nicholas Potter war bis 2026 Redakteur bei der taz. Er wurde für den Theodor-Wolff-Preis und den Deutschen Reporter:innenpreis nominiert. 2024 war er Nahost-Fellow des Internationalen Journalistenprogramms bei der Jerusalem Post. Er ist Autor zweier Bücher.
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5 Kommentare

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  • Wie inzwischen bekannt ist, springen immer mehr Werbekunden von X ab. Das Ganze ist also für Musk ein fettes Minusgeschäft. Dass ihn das offenbar nicht stört zeigt, dass man es hier nicht mit dem Kollateralschaden einer missgeleiteten Auffassung von Meinungsfreiheit zu tun hat. Genau dieser Zustand war offenbar das Ziel der Übernahme von X...

  • Es ging da gar nicht um den Holocaust (jedenfalls nicht in dem Transkrptionstext, den ich gesehen habe), sondern um die Ermordung von 3 Millionen sowjetischer Kriegsgefangener in Wehrmachts-Gefangenenlagern durch Aushungern und Kälte. Da gibt es guten Grund anzunehmen, dass das absichtlich geschah, um die slavische Bevölkerung im künftigen dt. Ost-Siedlungsgebiet zu reduzieren, ebenso die genozidale Aushungerung von Leningrad. Merkwürdigerweise ist dieser Genozid an den Slawen hier weitgehend unbekannt.

  • Das kommt davon, wenn man die Deutungshoheit und Definitionsmacht dem privaten Kapital überlässt.



    Geschützt von "Meinungsfreiheit" dürfen Demagogen ihre fatale Prosa über den für Eliten optimierten "Pöbel" erbrechen.



    Niemand gebietet ihnen Einhalt.



    Gute Besserung

    • @alteropi:

      Sie beschreiben zutreffend. Besonders ernüchternd ist auch der offensichtlich traurige Zustand des amerikanischen Bildungssystems bis in Hochschulbereiche.

  • "Holocaust-Relativierung dürfte selten so ein großes Publikum genossen haben: Am vergangenen Montag lud der rechtspopulistische Moderator Tucker Carlson den revisionistischen Möchtegernhistoriker Darryl Cooper in seine Sendung auf X/Twitter ein."



    Nach dem Weltrechtsprinzip in derzeitiger Fassung könnte ihn wohl noch kein Gericht außerhalb der Vereinigten Staaten problemlos zur Verantwortung ziehen. Die Frage ist, was passiert, wenn er hier einreist, weil er in dieser Situation offensichtlich ein unerwünschte Person ist. Meinungsfreiheit deckt diese Einstellung bei Personen des öffentlichen Lebens nicht.



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    "Notorische Holocaustleugner saßen in Deutschland aber schon im Gefängnis. Neben Horst Mahler waren das zum Beispiel Ernst Zündel, Gary Lauck und – erst kürzlich – „Nazi-Oma“ Ursula Haverbeck. All diesen Leuten ist gemein, dass sie eine „qualifizierte Holocaustleugnung“ verbreiteten."



    Quelle:



    taz.de/Gesetz-gege...leugnung/!5457020/



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    Zum Thema Einreisesperre als Beispiel:



    www.rbb24.de/polit...-rechtsextrem.html