Reaktionen auf Ferguson im Netz

„Wann wird der Wahnsinn enden?“

Nach Schüssen auf Polizisten in Ferguson blieb es in der Nacht ruhig. Das Netz schweigt nicht. #Ferguson dominiert die Debatten. Ein Überblick.

Nachtwache in Ferguson, Missouri, am Donnerstag. Bild: ap

In der Nacht zu Freitag brennen weiße Kerzen in Ferguson, Missouri. Schüsse fallen nicht. Dutzende Menschen sind in der US-Kleinstadt erneut auf der Straße. Ferguson kommt nicht zur Ruhe. Der Ort ist zum Spiegel einer gesellschaftlichen Debatte geworden, die andauert, seit der unbewaffnete Jugendliche Michael Brown am 9. August 2014 von einem Polizisten erschossen wurde.

Es war Mittwochnacht, als zwei Polizisten angeschossen wurden. Offenbar, so die Polizei, nicht aus den Reihen der Demonstranten, die sich nach der Rücktrittsankündigung von Polizeichef Thomas Jackson versammelt hatten. Die Schüsse fielen aus größerer Distanz. Seit den Ereignissen sind die Hashtags #Ferguson und #BlackLiveMatters in den Online-Netzwerken wieder präsent.

US-Präsident Barack Obama ließ am Donnerstag eine erste Reaktion via Twitter verbreiten: „Gewalt gegen Polizisten ist inakzeptabel.“ Vergangene Nacht sitzt der Präsident bei Jimmy Kimmel, einem der prominensten Late-Night-Talker in den USA, auf der Couch und spricht über Ferguson.

Der Mainstream-Auftritt erfolgt nur eine knappe Woche, nachdem Obama in Selma stand und über die Ereignisse von vor 50 Jahren sprach, als weiße Polizisten in dem Ort in Alabama schwarze Bürgerrechtler zusammenschlugen. Nun ist Ferguson nicht Selma, aber Rassismus in den USA ist eine Wunde, die nicht verheilt.

Ein Projekt der John-F.-Kennedy-Bibliothek auf Twitter kommentiert aktuelle Ereignisse mit Zitaten des ehemaligen US-Präsidenten, der inmitten der Bürgerrechtsbewegung im November 1963 erschossen wurde. Unter @JFKsaid heißt es aktuell: „ ... Frieden und Freiheit gehen Hand in Hand. In zu vielen unseren Städten ist der Frieden nicht gesichert, weil die Freiheit unvollständig ist.“

Die demokratische Kongressabgeordnete Jamilah Nasheed twitterte nach dem Anschlag auf die Polizisten zunächst: „Wann wird dieser Wahnsinn enden?“, um dann am Donnerstag alle Medienanfragen abzusagen. „Je mehr wir das Biest füttern, desto mehr werden wir zu einer Peinlichkeit für die gesamte Nation. Lasst uns über Lösungen reden.“

Lösungsorientiert sind im Netz jedoch nicht alle, auch Polizisten-Hasser sehen in den Stunden und Tagen nach dem Anschlag eine Gelegenheit, die Konfrontation weiter zu schüren. User @riseupagain33 twittert: „Zwei Schweine weniger, die Leute drangsalieren und kidnappen.“

Die konservative Lobbygruppe @AppSame hingegen sucht die Schuld in den Ereignissen dieser Woche in der Obama-Administration und macht Justizminister Eric Holder für die Schüsse verantwortlich, der einfach nicht hart genug durchgreift. Sie lässt den Mann per Steckbrief suchen.

Es überwiegt jedoch auch in diesen Tagen wie bei jedem Ereignis von Polizeigewalt gegen Afro-Amerikaner in den vergangenen Monaten – Michael Brown in Ferguson, Eric Garner in New York – die Frage, wie es zu dem alltäglichen Rassismus kommen kann. @occupythemob twittert: „Das Land der Freien, Kranken & Verdorbenen“.

Und @CriticalReading stellt zynisch fest: „Es ist nicht nur #Ferguson ... Städte im ganzen Land kriminalisieren Schwarze, um die Rechnungen zu bezahlen. #BlackLivesMatter.“ „Lehnt die Versuchungen von Vorurteilen und Gewalt ab...“, twittert @JFKsaid. Kluge Worte in einem flüchtigen Medium.

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