Räumung des Schokoladens abgesagt: Süßer Weg, ein Haus zu retten
Das Beispiel Schokoladen zeigt, was im Umgang mit Freiräumen in dieser Stadt geht, wenn man denn nur will.
D as, was am Freitag zwischen Senat, Schokoladen und dessen Hauseigentümer eingefädelt wurde, kann man wohl als Win-Win-Situation bezeichnen. Da wird ein innovatives, selbstverwaltetes Kulturprojekt in einem langweilig durchgeschniegelten Kiez gerettet. Und gleichzeitig ein Sparpaket geschnürt: Erinnert sei an die Räumung der linken Liebigstraße 14 vor einem Jahr. 1,6 Millionen Euro kostete der Polizeieinsatz, obendrauf kamen Randaleschäden durch die Autonomen.
Das bleibt Mitte nun erspart. Der Vergleich mit der Liebig 14 zeigt aber noch mehr: Was im Umgang mit Freiräumen in dieser Stadt geht, wenn man denn nur will. Bei der Liebig verweigerte der Eigentümer jedes Gespräch. Der Senat ließ die Suche nach Alternativgebäuden schleifen. Und die Hausunterstützer muskelten militant auf.
Anders beim Schokoladen. Hier waren - wenn auch unter dem Druck der Räumung - alle Beteiligten gesprächsbereit. Mehr noch: kompromissbereit. Am Ende stand eine Lösung, die keinen als Verlierer zurückließ.
Neue Senatspolitik?
Viel spricht dafür, dass der Erfolg mit einem Namen zusammen hängt: Staatsekretär Ephraim Gothe. Der SPDler trat schon als Baustadtrat für den Schokoladen und für eine neue Stadtpolitik ein. Eine, die nicht nach maximaler Ausbeute bei Grundstücksverkäufen fragt, sondern nach dem sozialen, nachhaltigen Wert für alle. Wenn die Rettung des Schokoladen ein erstes Exempel für eine neue Senatspolitik sein sollte, dann wurde am Freitag sogar eine Win-Win-Win-Situation geschmiedet.
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