Queerer True-crime-Podcast: Wenn zwei Lesben töten
In „Queer Crimes“ werden Morde nicht nur nacherzählt, sondern auch Politisches und Mediales behandelt. Das tut gut, bei all den Grusel-Podcasts.
Eigentlich gibt es bereits viel zu viele True-Crime-Podcasts. Man könnte jeden Tag voller Grusel die Geschichte des schlimmsten Tags im Leben eines Menschen hören. Der Tag, an dem er oder meistens sie auf grausame Art ermordet wurde.
alle zwei Wochen eine neue Folge in der ARD-Audiothek
Doch auf dieses breit beackerte Feld tritt nun ein Podcast, der endlich mal einen neuen Blickwinkel zeigt: „Queer Crimes“ heißt der neue Podcast, produziert vom MDR und verfügbar in der ARD-Audiothek.
Die zwei queeren Hosts Irina Schlauch und Marvin Standke gehen in jeder Folge einem Verbrechen nach, in dem eine queere Person verwickelt ist, entweder als Opfer oder auch als Täter:in.
Schlauch ist selbst so etwas wie eine queere Ikone, sie ist nämlich die erste „Princess Charming“, um deren Liebe in der gleichnamigen Reality-Sendung 20 Frauen buhlten. Es soll die erste lesbische Datingshow der Welt gewesen sein. Noch viel wichtiger für diesen Podcast aber: Sie ist Juristin. Mit diesem doppelten Wissen widmet sich der Podcast den dunklen Seiten des queeren Lebens: Trauma, Gewalt, Einsamkeit. Aber die Hosts nutzen die Fälle auch klug dazu, andere Aspekte queerer Kultur zu besprechen, vom Darkroom zum ersten Kuss.
Queeres Leben raus aus der Schmuddelecke
Die Folgen sollen auch der reißerischen und oft homophoben Berichterstattung etwas entgegensetzen. Host Marvin liefert ein Beispiel: In Medien wird häufiger über das „Homosexuellenmilieu“ geschrieben wird, einen Begriff den die Interessenvertretungen queerer Journalist:innen ablehnen. Denn: Niemand schreibt über das „Heterosexuellenmilieu“. So wird queeres Leben in die Schmuddelecke gedrängt.
In „Queer Crimes“ geht es oft um die mediale Darstellung von Verbrechen. In der zweiten Folge um einen Mord zweier verliebter Frauen am gewalttätigen Ehemann einer der beiden, lässt die homophobe Berichterstattung der Bild tief blicken. Doch auch die feministische Solidarisierung mit dem Fall findet ihren Platz.
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