Protest in den Entsorgungsunternehmen: Die Angst vor dem Brand
Falsch entsorgt können Lithium-Batterien schnell zu einem Großbrand führen. Angestellte von Entsorgungsbetrieben fordern Lösungen.
10 Uhr am Großen Stern: Eine Kolonne von 50 Fahrzeugen zieht sich über die Straße des 17. Juni. Es sind riesige Müllwägen, Containerwägen und Transporter, die in der Innenstadt demonstrieren wollen. Aufschriften wie „Batteriebrände verhindern, jetzt!“ hängen an den Wägen, daneben dramatische Bilder brennender Gebäude. Es ist die Angst vor solchen Bränden, die die Mitarbeiter*innen von Entsorgungsunternehmen beschäftigt – ausgelöst durch Lithium-Batterien im Hausmüll.
Lithiumhaltige Batterien und Akkus sind praktisch, leistungsstark – und leicht entflammbar. In immer mehr Alltagsgegenständen wie E-Zigaretten, Airpods oder Kopfhörer werden sie verbaut, genutzt, und dann häufig im Hausmüll entsorgt. Eine gefährliche Situation für diejenigen, die später mit dem Müll zu tun haben: „Es kommt wöchentlich zu Bränden in Wägen oder Entsorgungsunternehmen“, erklärt Patrick Hasenkamp, Leiter eines Abfallwirtschaftsbetriebs in Münster.
Verletzungen unter Entsorger*innen durch brennenden Batterien und Akkus sind bisher noch nicht bekannt, der finanzielle Schaden nach einem Brand können aber, so Hasenkamp, durchaus im Millionenbereich liegen. Vor allem kleine, private Unternehmen erhielten kaum noch Versicherungsschutz. Bei einem Brand trügen sie „das komplette Unternehmensrisiko“.
Hasenkamp sitzt am Steuer eines großen Containerfahrzeugs, neben ihm Entsorgungsarbeiter Dieter Möllenkamp, der „Gott sei Dank“ selber noch keinen Lithium-Brand miterlebt habe. Laut hupend setzt sich die Wagenkolonne in Bewegung, fährt vom Tiergarten aus zum Brandenburger Tor und durch das Regierungsviertel, bevor es wieder zurück geht zum Großen Stern. Zwei Runden drehen die etwa 100 Demonstrierenden, dann sammeln sie sich in ihren leuchtend orangefarbenen Westen vor dem Brandenburger Tor.
Kritik an Herstellern
„Wir wissen, dass das Problem größer wird in den nächsten Jahren“, so Peter Kurth, Präsident des Bundesverbandes der Entsorger BDE und außerdem ehemaliger Berliner Finanzsenator. Schließlich würden immer mehr Lithium-Batterien verbaut werden. Deshalb ist eine zentrale Forderung des Protests, die Hersteller*innen stärker in die Pflicht zu nehmen.
„Die Industrie stellt sich, was ihre Verantwortung angeht, bisher taub“, sagt auch Hasenkamp: „Weil sie bestimmte Produkte möglicherweise in Konsequenz gar nicht mehr produzieren und in den Verkehr bringen darf.“
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