Presseboykott von Tennisstar Naomi Osaka: Kämpferin für mentale Gesundheit

Bei den French Open erscheint Tennisstar Naomi Osaka nicht zum Pressetermin und wird bestraft. Sie stellt sich gegen ein System.

Eine Frau steht allein auf einem Platz und blickt nach oben. In ihrer rechten Hand hält sie einen Tennisschläger, den sie über die Schulter zu einem weiten Schlag ausgeholt hat.

Gerade allein auf weitem Feld: Naomi Osaka mit ihrem Einsatz für mentale Gesundheit Foto: Antonio Borga/imago

Naomi Osaka ist bereit, für ihr Schweigen einen hohen Preis zu zahlen. Das hatte die japanische Tennisspielerin bereits vor Beginn der laufenden French Open angekündigt. Denn aus ihrer Sicht steht etwas viel Wertvolleres auf dem Spiel: ihre psychische Gesundheit sowie die ihrer Kolleg:innen. 15.000 Dollar hat sie der Boykott der Pressekonferenz nach ihrem Erstrundensieg gegen die Rumänin Tatricia Maria Tig am Sonntag bereits gekostet. Die Ver­an­stal­te­r:in­nen des großen Grand-Slam-Turniers in Paris haben die Weltranglistenzweite gewarnt, dass ein erneutes Fernbleiben von der Presserunde am Mittwoch nach der Partie gegen die Rumänin Ana Bogdan sie noch teurer zu stehen kommen würde, ihr in letzter Konsequenz gar der Ausschluss drohe.

Wütende und enttäuschte Tennisstars haben hin und wieder mal nach Niederlagen lieber ein paar tausend Dollar bezahlt, als sich dem Verhör von Jour­na­lis­t:in­nen auszusetzen. Osaka aber handelt nicht spontan aus der Emotion heraus, sie probt einen Aufstand gegen das System. Zu häufig habe sie immer wieder dieselben Fragen beantworten müssen, zu oft fehle es an Rücksicht auf die psychische Verfassung der Athlet:innen. Die bohrende Nachfragerei fördere bei den Betroffenen eine Spirale der Selbstzweifel.

Auf den ersten Blick mag es erstaunlich sein, dass die derzeit bestverdienende Sportlerin der Welt, der die Erfolge, Bewunderung und Sponsorings nur so zuzufliegen scheinen, sich gegen Ak­teu­r:in­nen eines System wendet, von dem sie so profitiert hat. Aber Naomi Osaka, Tochter eines Haitianers und einer Japanerin, in New York aufgewachsen, ist es auf bemerkenswerte Weise gelungen, sich von den Erwartungen ihrer Umwelt unabhängig zu machen. Sie ist in den japanischen Werbekampagnen das Gesicht der Olympischen Spiele im Sommer und mit drei Sponsoren der Veranstaltung verbandelt. Dennoch warb sie zuletzt dafür, über eine Absage der Spiele zu diskutieren.

Sich nicht vereinnahmen lassen

Und als die sich zur Black-Lives-Matter-Bewegung bekennende Osaka im August vergangenen Jahres einen Turnierboykott ankündigte, als der Schwarze Jacob Blake bei einem Polizeieinsatz in den USA niedergeschossen wurde, erwirkte sie damit eine Turnierunterbrechung. Sie wolle in einem mehrheitlich weißen Sport eine Diskussion in Gang bringen, erklärte sie. Zum Unwillen einiger, die zu Beginn der Karriere von Osaka sich noch an ihrer Bescheidenheit und ihrem Lächeln erfreuten, legt diese nun ihre Rolle als prominente Sportlerin zunehmend emanzipatorisch aus. Das Time Magazin hat sie auf seine Liste der 100 einflussreichsten Personen der Welt im Jahr 2020 gesetzt.

Naomi Osaka will sich nicht vereinnahmen lassen. Sie sagte einmal: „Du kannst versuchen, mich in eine Schublade zu stecken, aber du wirst nicht bestimmen, wer ich bin. Ich bestimme durch Taten, wer ich bin.“ Nun ist ihr das Thema psychische Gesundheit wichtig. Öffentliche Unterstützung erfährt sie dabei von ihren Kol­le­g:in­nen derzeit nicht, weil diese die Presse als Bestandteil des Geschäfts tolerieren. Osaka wird das kaum beirren.

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