Prekäres Leben mit gebrochener Hand: Angst im Kopf
Überforderung, Hitze: Eine sinnlose und verlorene Auseinandersetzung mit einem Sessel führt zu künstlerischer Unproduktivität und einem Finanzloch.
A ngst ist kein guter Begleiter, niemals. Aktuell wird es einem leicht gemacht, Angst zu haben. Vor Vielem. Vor der eigenen Courage, dem Fehlen derselben im richtigen und wichtigen Moment. Vor der wirtschaftlichen Entwicklung – gar nicht einmal vor der gesamtgesellschaftlichen, sondern ganz einfach der eigenen.
Ich hab mir die Hand gebrochen, genau genommen den Mittelhandknochen – und ziemlich alles andere ringsum geprellt. Auch da war Angst im Spiel – in Anwesenheit, weil: Nervenzusammenbruch, Überforderung. Einfach ein Moment in dem persönlich alles zu viel wurde und mein „Kessel überkochte“. Das resultierte in einem Wutausbruch gegen mich selbst, gegen die Situation.
Ich hab mich mit einem Sessel angelegt – und der Sessel ist der klare Gewinner der Auseinandersetzung. Es hat gekracht. Sehr. In meiner Hand. In dem Moment hätte ich mir mehr Angst gewünscht, vor dem Zuschlagen gegen den Gegenstand. Zu spät. Als Künstler ungefähr das Blödeste, zumindest Unproduktivste überhaupt. Knapp zwei Monate nicht zeichnen, nicht arbeiten. Selbst Schreiben fühlt sich rein praktisch sehr amateurhaft an. Andauernd ist die Orthese im Weg. Immerhin ist es eine und nicht mehr der anfängliche Gips – pünktlich zur Hitzewelle. Alles dauert ewig, alles. Aber ich will nicht jammern, Entschleunigung hat viele Gesichter. Eben auch wieder ein ängstliches – wenn ich über meine finanzielle Situation nachdenke. Es wird dauern, das Loch zu stopfen.
Heute habe ich, wie aktuell jeden Tag, einen Krankenbesuch gemacht. Die Hitzewelle ist vorbei. Hoodie-Wetter. Als ich den Krankenhausgang entlanggehe, ruft von hinten eine Patientin: „Sehr passend, der Pulli, für eine neuropsychiatrische Station“. Ich bin kurz verwirrt. Mein BEASTIE-BOYS-Hoodie. Der Rückenprint in großen Lettern: CHECK YOUR HEAD.
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