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E-Mobilität verplantZählerstand null

An der Berliner Schönstraße werden Straßenlaternen zu E-Ladesäulen. Aber eine von ihnen nutzt niemand.

S eit einigen Tagen treibt mich ein neues Hobby nach draußen. Ich gehe die Schönstraße entlang, vom Mirbachplatz bis Höhe des Friedhofs. Hier steht eine der neuesten Angestellten der Gegend. Sie selbst ist gar nicht so neu, nur ihre Aufgabe. Denn die Angestellte ist eine Straßenlaterne, die sicher schon ewig ihren Dienst tut. Abends schaltet sich ihr Licht an, morgens wieder aus.

Und niemand schert sich viel darum. Aber das sollte sich schleunigst ändern. Denn nun hat sie ein Bäuchlein, in Straßenlaternengrau. Es fällt kaum auf. Dieses Bäuchlein hat ein Display, verschiedene Anleitungen und dazu ein Kartenlesegerät. Auch ein blaues Schild hängt da. Darauf steht ein „P“. Es sagt: Elektrofahrzeuge dürfen hier während des Ladevorgangs parken.

Die neue Angestellte ist also eine Ladesäule. Sie hat auch Kol­le­g*in­nen in der Straße bekommen. Das ist schön und im Sinne der Elektromobilität sicher ein gut gemeinter Schritt zu mehr Klimaschutz. Denn die Laternen werden genutzt.

Alle? Nein, diese eine nicht. Vor ihr befindet sich schließlich keine Parkbucht für Autos, sondern zwei Fahrradständer mit zwei Fahrrädern. Eins davon ist eine halbe Leiche. Als mir das auffiel, dachte ich: Da habe ich mich verguckt.

Dann habe ich gemerkt, dass dem nicht so war. Beim dritten Besuch der neuen Angestellten erschien in meinem Kopf ein Film: Wie ein Berliner Beamter in seinem Planungsbüro sitzt. Vor sich hat er eine Karte, in die pikt er Fähnchen, immer da, wo ein Monteur Bäuchlein an Laternen schrauben soll. Der tut das gewissenhaft, stelle ich mir vor. Am Ende reibt er sich die Hände an der Hose sauber.

Und dann stehen sie da: die Ladestationslaternen der Schönstraße. Alle nutzbar, nur eine nicht. Es sei denn, aber nur vielleicht, jemand parkt das Auto mitten auf dem Fußweg. Und da habe ich Zweifel. Also besuche ich sie eben. Die neueste Angestellte der Gegend. Sie hat Zählerstand null.

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