Podcastkritik „schon gehört?“: Die Hochkultur der Unterschicht

Sibylle Berg erzählt im Podcast „Was ist Rap für dich?“, warum sie HipHop-Fan geworden ist, obwohl sie Musik eigentlich gar nicht mag.

Portärtaufnahme von Sibylle Berg auf der Digitalkonferenz re:publica.

Sie hasst Menschenmassen genauso sehr wie Musik: Sibylle Berg Foto: dpa

Die Schriftstellerin Sibylle Berg ist HipHop-Fan. In der zweiten Folge des Podcasts „Was ist Rap für dich?“ erzählt sie dem Musikjournalisten Niko Backspin, wie das passiert ist. Für ihren in diesem Jahr erschienenen Roman „GRM. Brainfuck“ hatte sich Berg nämlich auf eine Forschungsreise in den Grime-Kosmos begeben.

Grime, den muss man verstehen. Und Berg macht im Podcast den Eindruck, als hätte sie, zumindest subjektiv betrachtet, einiges dafür getan: Sie hat sich in britische Sozialbausiedlungen begeben und versucht herauszufinden, warum alle Kids ständig Grime-Videos auf dem Handy anschauen. Sie hat sich mit KünstlerInnen getroffen, hat sogar ein Konzert besucht, obwohl sie Menschenmengen genauso wenig mag wie Musik überhaupt.

“Was ist Rap für dich?“ erscheint jeden zweiten Freitag auf Spotify und Deezer.

Und dann ist es passiert: Grime hat Berg doch noch zur Musik gebracht.

Das HipHop-Subgenre, das übersetzt „Schmutz“ bedeutet, entstand Anfang der 2000er, über die eigenen Kreise hinaus schafft es Grime aber erst seit ein paar Jahren. Das mag auch damit zu tun haben, dass der bekannte US-amerikanische Rapper Kanye West irgendwann gemeinsam mit Grime-Künstler Skepta aufgetreten ist.

Es wird auch gelacht

Was überzeugte Berg letztlich von Grime? Es waren die Wut und die Auflehnung der jungen Menschen in der Peripherie der britischen Großstädte, sagt sie.

Das Schöne an diesem Rap-Podcast ist, dass er sich nicht in Fachsimpeleien verliert, sondern sofort zum Wesentlichen vordringt – und das im Gespräch mit einer Vertreterin der vermeintlichen „Hochkultur“.

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Gesprochen wird über Ernstes und trotzdem viel gelacht: Zum Beispiel als Backspin Berg fragt, ob es peinlich sei, HipHop zu hören. „Das ist mir so was von Stulle“, antwortet sie lässig. „Sich peinlich fühlen setzt ja immer voraus, dass du in der Erwartung von anderen funktionierst.“

Eines stört dann leider doch: Die Verlegenheit des Moderators. Häufig hindert sie ihn daran, von seinem Fragenkatalog abzuweichen. So bleibt manches viel zu knapp, wie die Frage nach den Gemeinsamkeiten von Literatur und HipHop.

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