Pflegenotstand wegen Corona: Ex-Zivis in die Krankenhäuser!
Hunderttausende Männer haben einst Sozialdienst abgeleistet. Der Staat sollte ihnen die Möglichkeit geben, ihre Fähigkeiten jetzt wieder einzusetzen.
B ald könnte es in Deutschland aussehen wie derzeit bei unseren italienischen und spanischen Nachbarn. Das Personal, das in den Krankenhäusern arbeitet, braucht dann jede Entlastung, die möglich ist. Wir haben hierzulande ein Potenzial, das man genau für einen solchen Fall aktivieren sollte: Millionen von ehemaligen Zivildienstleistenden haben grundlegende Kenntnisse und Erfahrungen, die sie jetzt einsetzen könnten.
Sie könnten im Bereich der Kinder- und Altenbetreuung eingesetzt werden, bei administrativen Tätigkeiten in Gesundheitsämtern und Krankenhäusern mitarbeiten und bei Krankentransporten. Sie könnten Pfleger*innen entlasten, indem sie deren Verpflichtungen bei Patient*innen übernehmen, die nicht mit Corona infiziert sind.
Die vielen Tätigkeiten, über die man als Zivi früher einmal gestöhnt hat, kann man denjenigen abnehmen, die im Auge des Sturms stehen: Essen austeilen, Betten verteilen, Bettpfannen entleeren… Ein kleiner Dienst, aber eine derzeit wichtige und nötige Entlastung, während nebenan um das Leben unserer Mitmenschen gekämpft wird.
Es wäre an der Zeit, dass die Politik den Weg dafür freimacht, dass Zivildienst-„Reservisten“ auf freiwilliger Basis in ihrer Freizeit die Möglichkeit erhalten, sich zur Verfügung zu stellen. Natürlich ist es gerade in einer solchen Ausnahmesituation unerlässlich, dass bestimmte Sicherheitsregeln eingehalten werden. Noch haben wir Zeit, die dafür nötigen Schulungen vorzubereiten und durchzuführen.
Unabhängig davon, wie man zur Dienstpflicht steht, muss man anerkennen: Wir haben über mehrere Jahrzehnte junge Männer für solche Situationen ausgebildet, während deren Jahrgangsgenossen für den Ernstfall des Krieges geübt haben. Dieses Potenzial jetzt nicht zu nutzen wäre eine tragische Ressourcenverschwendung.
Ich habe selber Zivildienst geleistet und bin sehr dankbar für diese Erfahrung. Ich wäre froh, mich in dieser Situation mit dem einbringen zu können, was ich dort gelernt habe: fachlich und menschlich.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert