Pannen-Serie: Vattenfall-Chef schmeißt hin

Nach den AKW-Pannen ist Vattenfall-Europe-Vorstandschef Rauscher zurückgetreten. Umweltminister Gabriel hofft, dass der Nachfolger ältere Reaktoren eher vom Netz nimmt

Vor der Stilllegung? Vattenfall-Europe Rauscher Bild: dpa

BERLIN taz Der Chef von Vattenfall Europe, Klaus Rauscher, gibt nach den Pannen von Krümmel und Brunsbüttel sein Amt auf. Sein kommissarischer Nachfolger wird Vorstandskollege Hans-Jürgen Cramer. Um diese Nachricht zu verkünden, war der internationale Vattenfall-Chef Lars Göran Joseffson gestern kurzfristig nach Berlin gereist. "Klaus Rauscher hat sich große Verdienste mit der Zusammenführung von Bewag, HEW, Laubag und Veag erworben. Seiner Entscheidung, sein Amt zur Verfügung zu stellen, gilt mein voller Respekt", sagte Joseffson. In seiner Erklärung hieß es: "Besonders gravierend war das unzulängliche Krisenmanagement im Nachgang der Ereignisse in den Kernkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel."

Erst am Montag hatte sich Vattenfall Europe vom Chef der Atomsparte, Bruno Thomauske, getrennt. Auch Konzernsprecher Johannes Altmeppen hatte sein Amt aufgegeben. Josefsson beklagte gestern: "Viel Vertrauen wurde in den zurückliegenden Wochen verspielt." Es schmerze ihn, dass Vattenfall seine Kunden in Hamburg und Berlin schon zuvor enttäuscht habe. Damit spielte er auf die Verwirrung stiftende Tarifreform an, die Verbraucherschützer als "Abzocke" kritisiert hatten.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), derzeit auf Sommerreise in Norddeutschland, begrüßte die Entscheidung. "Ich hoffe, dass der Rücktritt von Herrn Rauscher mehr ist als nur ein Austausch von Köpfen, sondern eine Strukturveränderung hin zu einer offeneren Informationspolitik bringt", sagte er der taz. "Zudem hoffe ich, dass sein Nachfolger offen ist für die Anwendung des Atomgesetzes, sprich: ältere Reaktoren zunächst vom Netz zu nehmen und die Laufzeit auf neuere zu übertragen." Um über diese Forderung zu diskutieren, hat Gabriel die Chef der vier großen Energiekonzerne nach Berlin geladen.

Zuvor hatte Angela Merkel dem Energiekonzern "dramatische Fehler" vorgeworfen. "Deswegen hält sich da mein Mitleid auch wirklich in Grenzen, wenn die Wirtschaft kritisiert wird", erklärte die Kanzlerin. Sie wolle nicht verallgemeinern, aber "das darf sich so nicht wiederholen". Gleichwohl halte sie aber die friedliche Nutzung der Atomenergie wegen der hohen Sicherheitsstandards in Deutschland weiter für "verantwortbar", sagte Merkel.

Die Haltung der Energiekonzerne wurde am Mittwoch erwartungsgemäß von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) unterstützt: Die AKW-Betreiber hätten gültige Betriebsgenehmigungen. "Solange die Atomkraftwerke sicher sind, können sie die auch weiterbetreiben", sagte Glos im ZDF.

SPD-Vizefraktionschef Ulrich Kelber rief dagegen gestern die Verbraucher offen dazu auf, zu Stromanbietern ohne Atomstrom zu wechseln. "Sie sollten den Betreibern von Schrottreaktoren die Daumenschrauben anlegen", sagte Kelber. Er warf den AKW-Betreibern vor, bei alten Meilern aus Profitinteresse die Sicherheit zu vernachlässigen. "Es wird nur das Notwendigste gemacht, und das passt mit einer Hochrisikotechnik nicht zusammen", sagte Kelber.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de