Outfits zur Fußball-WM: Neuer Farbanstrich
Die WM-Teilnehmer präsentieren rechtzeitig vor dem Turnier ihre neuen Auswärtstrikots. Deutschland ist jetzt blau, was vor allem der CDU gefällt.
S o richtig gut waren die deutschen Männer nicht bei ihren Testspielen gegen die Schweiz und Ghana. Richtig schlecht waren sie auch nicht. Bundestrainer Julian Nagelsmann war schlecht gelaunt, weil ihn alle Welt auf den gut aufgelegten Stürmer Deniz Undav angesprochen hat, für den er bei der anstehenden WM nur einen Platz auf der Bank vorgesehen hat. Sonst noch irgendwelche Erkenntnisse aus den Spielen? Klar, jetzt wissen wir, wie das hochoffizielle deutsche Auswärtstrikot der WM-Saison aussieht: wie ein Schlafanzugoberteil.
Das passt vielleicht zu dem Schlafwagenfußball, der zu erwarten ist, wenn die Deutschen in ihren Vorrundenspielen gegen tief stehende Mannschaften aus Schottland, Curaçao und Ecuador spielen. So ist es aber nicht gemeint. Die Designer von Adidas haben sich wie immer etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Um es in ihren Worten zu sagen: „Die bekannten diagonalen Zackenstreifen erscheinen als durchgehendes Zickzack-Muster über das gesamte Trikot und sind von klassischen Gestaltungselementen früherer Adidas-Schuhkartons inspiriert.“
Und es ist blau, was bestimmt all jene Rechtsausleger beruhigt, die in dem rosa Trikot, das die Deutschen vor der Heim-EM 2024 präsentiert haben, einen hämischen Gruß aus der gendergerechten Hölle Wokistans vermutet haben. Carsten Linnemann jedenfalls ist begeistert von der Farbe, was er in einem Video der CDU-Bundestagsfraktion verkündet.
Das zeigt den schmächtigen CDU-Generalsekretär im neuen DFB-Auswärtsoutfit beim Jonglieren eines Fußballs. Als er seinen Text dann in die Kamera spricht, ist er derart außer Atem, dass die Vermutung naheliegt, dass es doch einige Aufnahmen gebraucht hat, bis es ihm gelungen ist, den Ball ein paar Sekunden in der Luft zu halten. Vor allem die Farben würden ihm gefallen, hechelt Linnemann dann in die Kamera.
Konservative Trikot-Revolution
Blau das Trikot und Türkis die Hose. Da war doch was? Genau, Linnemann hat der CDU ja zu Beginn seiner Tätigkeit als General einen neuen Farbanstrich verpasst: in Cadenabbia-Türkis und Rhöndorf-Blau. Wie die Fußballtrikotgestalter haben sie den Farben Geschichten zugewiesen, auf die beim Betrachten allein gewiss niemand kommen würden.
Cadenabbia war der Urlaubsort von CDU-Ikone und Nachkriegskanzler Konrad Adenauer und Rhöndorf jener Ort, an dem die die CDU entschieden hat, nach dem Krieg lieber mit rechten Kleinparteien zu koalieren als mit der SPD. Nach dem Diversity-Exzess in pink nun also die konservative Trikot-Revolution? Kein Wunder, dass Linnemann so begeistert ist vom neuen DFB-Outfit.
Ein ganz anderes Türkis hat die französische Nationalmannschaft präsentiert. Deren Auswärtstrikot solle an die Farbe der Freiheitsstatue erinnern. Damit wolle man an das „größte Geschenk“ erinnern, das Frankreich den USA gemacht habe, wie der US-Sportartikelriese Nike, der das französische Team ausstattet, mitteilt.
An eine Kritik an den Zuständen der in den Autoritarismus abgleitenden USA wird man am Nike-Firmensitz in Eugene beim Design der Hemdchen wohl nicht gedacht haben. Und so wird niemand befürchten müssen, dass ein französischer Profi festgenommen wird, so wie es einer Frau widerfahren ist, die als Freiheitsstatue verkleidet an einer „No Kings“-Demonstration gegen Donald Trump in Los Angeles teilgenommen hat.
Alles zu politisch? Dann ist vielleicht das weiß-marmorierte Auswärtstrikot der Österreicher von Puma das richtige WM-Outfit für Fans. Das spiegle „mit den goldenen Linien des Jugendstils und dem Marmormuster der klassischen Wiener-Kaffeehaus-Tische österreichische Tradition“ wider. Darauf einen großen Braunen! Oder ist das jetzt auch schon wieder zu politisch?
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