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Oscar-nominierte Kate WinsletLieber peinlich als perfekt

Oscar-Nominierung, Golden Globe - Kate Winslets Karriere verläuft gut. Doch ihren Charme macht nicht zuletzt ihre Bereitschaft zur Peinlichkeit aus.

Es war einer der brillantesten Momente ihrer Karriere. "Mach einen Film über den Holocaust, und du hast den Oscar sicher", witzelte Winslet vor vier Jahren in einer Folge der britischen Fernsehserie "Extras", in der sie sich selbst spielt, wie sie in einer großen Hollywood-Produktion eine Nonne verkörpert, die von Nazis malträtiert wird. Um sich kurz darauf über das Genre des Holocaustfilms lustig zu machen: "Wir haben verstanden. Es war grauenvoll. Kann das jetzt Leben weitergehen?" Dann gab sie dem Hauptdarsteller Ricky Gervais Tipps für befriedigenden Telefonsex.

Mit diesem Auftritt brach Kate Winslet mit den verschiedenen Bildern, die sich mit ihr verbanden. Weder mit ihrer Rolle in "Titanic" noch mit der in "Sinn und Sinnlichkeit" hätte man diese Art von Witz, straight talk und selbstbewusstem Sex assoziiert. Und sie schaute weit voraus. Denn seit gestern ist die 33 Jahre alte Schauspielerin für einen Oscar in der Kategorie beste Hauptdarstellerin nominiert, und zwar für ihre Rolle als KZ-Wächterin Hanna Schmitz in "Der Vorleser". Den Bestsellerroman von Bernhard Schlink hat der Regisseur Stephen Daldry verfilmt, der Film läuft außer Konkurrenz bei der Berlinale und kommt am 26. Februar regulär in die deutschen Kinos.

Zurzeit ist Winslet in der Romanverfilmung "Zeiten des Aufruhrs" zu sehen, wie in "Titanic" an der Seite von Leonardo DiCaprio. Der Film handelt von den Hoffnungen, Träumen und dem Scheitern eines Ehepaars in den USA der Fünfzigerjahre. Regie führte Winslets Mann Sam Mendes. Für beide Rollen bekam sie vergangene Woche bereits die Golden Globes. Ihr Auftritt bei der Verleihung sorgte für Aufsehen - offensichtlich angetrunken hielt Winslet zwei Dankesreden, die in ihrer Heimat Großbritannien durchgehend "peinlich" genannt wurden.

Dabei macht gerade die Bereitschaft zur Peinlichkeit einen nicht zu unterschätzenden Teil des Charmes des Winsletschen Starmodells aus. Für die amerikanische Vanity Fair gab sie im Herbst etwa zu Protokoll, wie wenig sie den Zwang zum perfekten Aussehen leiden könne, dem man als Hollywoodstar ausgesetzt sei. Sie glaube nicht an perfekte Körperproportionen. Illustriert war der Text mit Fotos, die Winslet fast nackt im Pelz zeigten - ein Versuch, von ihrem bodenständigen Image wegzukommen. Dummerweise folgten Vorwürfe, sie habe ihre Beine per Computerprogramm verlängern lassen. Winslet widersprach, ausräumen konnte sie den Verdacht nicht.

Natürlich sind dies Pannen. Aber eben auch Abbilder der ganz realen Bedingungen, unter denen Prominenz entsteht. Bei anderen Schauspielerinnen bleibt dieser Teil meistens im Dunkeln.

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