Olympiaproteste in Mailand: IOC, ICE? Nein, danke: CIO!
In Mailand eskalieren die Anti-Olympia-Proteste und werden niedergeschlagen. Derweil formiert sich eine antinationale Bewegung für guten Sport.
Foto: Antonio Calanni/ap/dpa
„Feinde Italiens“ seien da am Werk gewesen. So kommentierte die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auf Instagram Bilder, die zeigen, wie Demonstrierende am Samstagabend in Mailand mit Feuerwerksraketen auf Polizeibeamte geschossen haben. Die kriegerischen Bilder entstanden im Anschluss an eine Demonstration von Olympiagegnerinnen, die unweit des olympischen Dorfes durch die Straßen im Süden der Stadt gezogen sind.
Bis zu 5.000 Leute sollen da gewesen sein. Am Ende kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und einem kleinen Teil der Protestierenden, der sich mit Helmen und Pyros gut gerüstet hatte. Die Polizei reagierte mit massivem Tränengaseinsatz und brachte einen Wasserwerfer in Stellung. Etliche Protestierende wurden in Gewahrsam genommen.
„Wir sprechen hier von Kriminellen“, meinte Attilio Fontana, der Präsident der Provinz Lombardei, angesichts der Bilder von der Demo, und verurteilte all diejenigen scharf, die Anti-Olympia-Proteste unterstützen. Die werden in der Tat nicht nur von radikalen Kräften getragen. Auf der Kundgebung, die dem Demonstrationszug vorausgegangen war, hatte sich ein buntes Protestpublikum versammelt, das von propalästinensischen Daueraktivisten bis hin zu naturliebenden Umweltfreundinnen reichte.
Gentrifizierung und Vertreibung durch Olympia
Ein Künstlerkollektiv hatte eine „Ode an die Berge“ verfasst, das die versammelte Demogesellschaft gemeinsam rezitiert hat. „Ich höre das Plätschern des schmelzenden Gletscherwassers“, lautet ein Vers der Ode. Die Liebe zu den Bergen spricht aus diesen Zeilen. Und auch wenn man der typischen „Reclaim the streets“-Parolen linker Aktivistinnen müde sein mag, sind deren Hinweise auf die Folgen von Gentrifizierung und Vertreibung der eingesessenen Bevölkerung durch Großprojekte wie Olympische Spiele sicher berechtigt.
Federführend bei den Protesten in Mailand, zu der auch ein alternativer Lichterlauf mit bengalischen Fackeln in der Nähe des Giuseppe-Meazza-Stadions am Tag der Eröffnungsfeier gehörte, ist ein Kollektiv, das sich CIO nennt. Die Abkürzung steht nicht wie im offiziellen Olympia für das IOC. Es bedeutet „Komitee für nichtnachhaltige Spiele“. Das veranstaltet in einer besetzten Riesenarena, die mal Sportevents vor über 10.000 Leuten beherbergt hat, bevor man sie dem Verfall preisgegeben hat, gerade alternative Sportspiele. Nationalismus und übersteigerte Italienliebe wird man da nicht finden. Schön eigentlich.
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