piwik no script img

Olympia – JudoHighländer ohne Schwert

Die Judoka liefern sich enge Kämpfe, bei denen meist Kämpfer aus Ländern, die auf „stan“ enden, gewinnen. Dem Deutschen Christophe Lambert fehlen die Mittel.

Die Startbedingungen: Seine ersten beiden Siege feierte der deutsche Teilnehmer Christophe Lambert schon vor Olympia. Er qualifizierte sich erst im allerletzten Moment für die Spiele, dann überstand er auch den Flug nach London, der insbesondere während des Landemanövers unangenehm wackelig gewesen sein soll. Doch auch einen Verlust gibt es zu beklagen.

Da in seiner Geburtsurkunde das „e“ vergessen wurde, darf er es entgegen seiner sonstigen Praxis bei Olympia nicht verwenden. Vielleicht wollten die IOC-Oberen einfach die mögliche Verwechslungsgefahr mit dem Highländer-Darsteller Christoher Lambert minimieren. Durch die Halle schallen „Auf geht's Christoph(e), auf geht's“-Sprechchöre.

Die Entscheidung: Gegen den favorisierten Kasachen Elkhan Mammadov hält sich Lambert in diesem Achtelfinale drei Minuten hervorragend. Dann lässt er sich zwei Mal durch Fußtechniken aushebeln. Die Kampfrichter zeigen die kleine und mittlere Wertung, Yuko und Waza-ari an. Lambert kriegt seinen Gegner nicht zu fassen und darf nur noch auf einen ruhigeren Rückflug hoffen. Und sich mit dem zurückgewonnenen „e“ trösten.

Das Drama: In einem weiteren Vorrundenkampf zerbröselt der sicher geglaubte Sieg des ägyptischen Fahnenträger Hesbah Mesbah eine Sekunde vor Ablauf des fünfminütigen Kampfes. Sein kasachischer Gegner Timur Bolat setzt einen Schulterwurf an, der ihn uneinholbar in Führung bringt. Mesbah ist derart fassungslos, dass er sich gar nicht mehr von der Matte erheben will.

Die Schlussfolgerung: Das ganz große Kino wurde im Exhibition Centre noch nicht geboten. Wo sind die großen Wertungen? Es fehlt an ganzen Wertungen (Ippon), also an spektakulären Würfen.

Und sonst? Da in der Halle mehrere Kämpfe parallel stattfinden, drehen im Hintergrund die Zuschauer immer wieder durch, obwohl im eingeblendeten Kampf gerade nichts passiert. Aber wir nehmen die Stimmung mit, wo wir sie kriegen können.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare