Oktoberfest wegen Corona abgesagt: Auszapft is!

Das Oktoberfest fällt heuer wegen der Pandemie aus. Einnahmen in Milliardenhöhe dürften wegbrechen. Auch emotional wiegt die Absage schwer.

eine Menge junger Frauen protest mit Bier

Corona killed the Gmiatlichkeit: Damals, 2018, war die Wiesn-Welt noch in Ordnung Foto: Matthias Schrader/ap

MÜNCHEN taz | Eine Überraschung war es längst nicht mehr, was Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter am Dienstagmorgen in der Staatskanzlei zu verkünden hatten: Das Oktoberfest wird in diesem Jahr ausfallen.

Beide Politiker waren sich einig, dass es ausgeschlossen sei, dass die Coronapandemie bis Mitte September so weit eingedämmt sei, dass das weltgrößte Volksfest gefahrlos stattfinden könnte. Auch eine „Wiesn light“, wie sie zuletzt immer mal wieder im Gespräch war, wird es nicht geben.

„Es tut uns weh, es ist unglaublich schade“, sagte Söder, der im Janker zur Pressekonferenz gekommen war. Aber: „Solange es keinen Impfstoff gibt, solange es kein Medikament gibt, muss besonders aufgepasst werden.“

Er und Reiter seien die größten Fans des Oktoberfestes, behauptete Söder. Traditionell zapft der Münchner OB das erste Fass an und kredenzt die erste Mass Bier dem Ministerpräsidenten.

Mal Inflation, mal Cholera

Es war ein sympathischer Versprecher, der dem Münchner Oberbürgermeister bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Markus Söder unterlief, als er über die Besucherzahlen des Oktoberfestes sprach: „70 Prozent der Menschen kommen aus Bayern“, sagte Reiter, „30 Prozent kommen aus dem Ausland.“

In der Tat kommen die Menschen mittlerweile aus der ganzen Welt angereist – was die Gefahr für eine Pandemie noch vergrößert. Insgesamt sind es rund sechs Millionen Besucher Jahr für Jahr. Bund und Länder hatten Großveranstaltungen zunächst bis Ende August abgesagt. Spätestens da war klar, dass auch die Wiesn am 19. September nicht stattfinden würde.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Oktoberfest, das seit 1810 auf der Theresienwiese gefeiert wird, ausfällt, aber das letzte Mal ist schon eine ganze Weile her. Meistens wurde es in Kriegszeiten abgesagt, 1923 auch mal wegen der damals herrschenden Hyperinflation.

Aber auch wegen Seuchengefahr fiel die Wiesn bereits zweimal aus: 1854 und 1873 war es die Cholera, die grassierte. 1854 starben fast 74.000 Menschen, darunter auch Königin Therese, nach der die Feststätte benannt war. Ihre Hochzeit mit dem späteren Ludwig I. war Ursprung des Oktoberfestes.

Vermisste Kotze

„Die Absage trifft uns alle schwer“, sagte Peter Inselkammer, der Sprecher der Wiesnwirte, „die Wiesn ist eine Herzensangelegenheit. Wir freuen uns das ganze Jahr darauf und bereiten uns vor.“ Karl Freller, der Vizepräsident des Bayerischen Landtags, hatte bereits vor ein paar Tagen vorgeschlagen, das Oktoberfest im kommenden Jahr dafür um eine Woche zu verlängern. Das Oktoberfest dauert in der Regel 16 Tage.

OB Reiter sprach von einer bitteren Pille. Es sei nicht nur ein emotional, sondern auch ein ökonomisch schwieriger Moment. Nicht nur Wiesnwirte und Schausteller, auch Hotels, Gaststätten und Taxifahrer, alle würden das Oktoberfest „schmerzlich im Geldbeutel vermissen“.

Im vergangenen Jahr bedeutete die Wiesn für die Münchner Wirtschaft Einnahmen von rund 1,23 Milliarden Euro. Thomas Geppert, Geschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, warnte vor einem „Totalschaden des Gastgewerbes“ und forderte für seine Branche den reduzierten Umsatzsteuersatz und einen Rettungsfonds.

Aber es sind nicht nur die Einnahmen, die fehlen werden. „10 Dinge, die München diesen Herbst vermissen wird“, twitterte die Redaktion der BR-Sendung „quer“ gleich nach der Absage: „1. Kotze in der S-Bahn 2. Kotze in der U-Bahn 3. Kotze im Bus 4. Über 11 € für einen Liter Bier bezahlen 5. Besoffene nachts unter dem Balkon 6. Bierleichen auf diversen Hügeln 7. Trachten-Karikaturen aus aller Welt 8. Hotelpreise vom Mond 9. Verkehrssperren 10. Und ja, trotz allem das #Oktoberfest.“

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