Obdachlosigkeit in Hamburg: Menschenverachtender Geiz

Der Hamburger Senat gönnt Obdachlosen nicht mal Container. Seit sie geimpft seien, sei das nicht mehr nötig. Das ist eine würdelose Haltung.

Weiße Wohncontainer, gestapelt, mit einer Treppe außen

Gemütlich ist das nicht, aber Container bieten Obdachlosen wenigstens etwas Privatsphäre Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Für Hotelzimmer war der Hamburger Senat zu geizig. Um Obdachlose während der Lockdowns und in den Monaten dazwischen unterzubringen, waren ihm lediglich Container billig genug. Jetzt sind ihm sogar die zu teuer oder zu gut oder zu platzwegnehmend. Was der wirkliche Grund dafür ist, dass die Stadt die Container jetzt abbaut, sagt dort leider niemand.

Bei der Sozialbehörde heißt es nur, es gebe „keine Notwendigkeit“ mehr für die Einzelunterbringung, die Obdachlosen seien ja jetzt größtenteils geimpft. Damit soll es sich erübrigt haben, dass die Ärmsten aller Ham­bur­ge­r*in­nen vier Wände aus Metall und eine Dusche bekommen? Der Senat offenbart damit eine menschenverachtende Haltung und einen peinlichen Geiz.

Dass die Coronakrise gesellschaftliche Ungleichheit verstärkt, die Armen ärmer und die Reichen reicher gemacht hat, ist längst bekannt. Während die Bundesregierung und die Landesregierungen einerseits mit Konjunkturpaketen und Überbrückungshilfen versuchen, die wirtschaftlichen Schäden abzufedern, kippt der Hamburger Senat Öl ins Feuer, indem er Besitzlose wieder auf die Straße schmeißt. Oder in die Massenunterkünfte, was langfristig auf das Gleiche hinausläuft, weil es dort wenige länger als ein paar Nächte aushalten.

Prestige-Projekte sind nie zu teuer

Der Senat ist aber nicht immer geizig. Wenn es um Prestige geht, ist ihm keine Elbphilharmonie, kein Scholz-Tower und kein Großevent zu teuer oder zu bescheuert. Aber ein paar Container für Arme, also ein Mindestmaß an Versorgung und Privatsphäre, dafür scheint es nicht zu reichen in der Stadt der Millionär*innen. Ganz zu schweigen von einer wirklichen Strategie gegen Armut.

Diese Haltung ist allerdings fatal. Sie verstärkt die Spaltung der Gesellschaft und das Misstrauen gegenüber den Entscheider*innen. Wer signalisiert, dass ihm Menschen nichts wert sind, solange sie keine Leis­tungs­trä­ge­r*in­nen im Kapitalismus sind, darf sich eigentlich nicht wundern, wenn die Betroffenen zurückschlagen. Das ist von Obdachlosen nicht zu erwarten, sie sind meistens mit Überleben beschäftigt. Deshalb zu meinen, dass man mit ihnen alles machen kann, ist allerdings noch armseliger und würdeloser als jedes Leben auf der Straße.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Jahrgang 1986, hat Kulturwissenschaften in Lüneburg und Buenos Aires studiert und wohnt auf St. Pauli. Schreibt meistens über Innenpolitik, soziale Bewegungen und Klimaproteste, Geflüchtete und Asylpolitik, Gender und Gentrification.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de