piwik no script img

Nordkoreas Machthaber Kim Jong UnDie Tante darf leben

Den Onkel ließ Kim Jong Un hinrichten, die Tante verschont er. Kim Kyong Hui behält ihren Einfluss in Nordkorea – wohl, weil sie direkt mit dem Staatsgründer verwandt ist.

SEOUL ap/rtr | Die Tante von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat nach der Exekution ihres Mannes Jang Song Thaek offenbar nichts von ihrem politischen Einfluss eingebüßt. Ihr Name erschien am Samstagabend an sechster Stelle auf der Liste eines staatlichen Komitees, das der Trauerfeier für einen am Freitag verstorbenen hohen Parteifunktionär beiwohnen wird. Das berichteten die Staatsmedien. Das Komitee ist prestigeträchtig.

Die Tochter des Staatsgründers Kim Il Sung solle unter anderem mit Ministerpräsident Pak Pong Ju und Vize-Marschall Choe Ryong Hae das Begräbnis eines führenden Mitglieds der Arbeiterpartei vorbereiten, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Die Besetzung dieses Komitees ist einer der wenigen Hinweise auf die Hierarchie im Machtgefüge des abgeschotteten Staates.

Ihr Mann Jang, ein Mentor von Kim und zuletzt Nummer Zwei des kommunistischen Regimes, war wegen des Vorwurfs eines Umsturzversuches am Freitag hingerichtet worden.

Beobachter meinten, die Ernennung als Komiteemitglied zeige, dass die politische Position von Kims Tante von der Exekution zunächst nicht beeinträchtigt wurde. Möglicherweise sei sie vom Schicksal ihres Mannes verschont geblieben, weil sie direkt mit Staatsgründer Kim Il Sung verwandt sei, sagten andere.

In den vergangenen Monaten zeigte sich die Tante allerdings immer seltener in der Öffentlichkeit, zuletzt erschien sie im Fernsehen blass und mager. Medien berichtete, sie leide an Leber-, Herz- und anderen Krankheiten. Ihre Teilnahme an der für Dienstag geplanten Trauerfeier galt deshalb als ungewiss.

Die Hinrichtung ihres Mannes löste weltweit Spekulationen aus, ob in dem hermetisch abgeschirmten Land ein Machtkampf im Führungskreis ausgebrochen ist oder ob Kim einzelne Konkurrenten aus dem Weg räumt.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

5 Kommentare

 / 
  • Die Tante darf weiterleben? Das ist sehr nett und eine Abkehr von der bisherigen Sippenhaft-Politik. Da haben Linke dann doch noch ein Herz entdeckt oder ist´s die Befürchtung, dass man sich dann ja auch noch selbst verhaften müßte? Ich finde Nordkorea ein leuchtendes Beispiel dafür, was eine Linkspartei bzw. linke Zeitgenossen an der Regierung veranstalten. Die DDR oder UdSSR ist vielen Bürgern einfach nicht mehr präsent.

    • H
      Hans

      @winstonsmith:

      So ein Schwachsinn. Was hat die kommunistische Diktatur Nordkoreas mit der Linkspartei und linken Zeitgenossen zu tun. Was ist denn bitte an der nordkoreanischen Politik links? Das wäre so, als würde man China linke Politik vorwerfen.

       

      Generell entspricht das plakative Rechts-Links-Denken in der Politik nicht mehr der Gegenwart. Sie scheinen, mit Verlaub, absolut keine Ahnung zu haben.

       

      So ein billiger Trollversuch ist absolut unwürdig.

    • K
      klobürste

      @winstonsmith:

      Nicht dass Sie mich mißverstehen , Winston : mit "Extremisten" sind in meiner Antwort Denker Ihrer Machart gemeint . Solche , deren Hass gegen "linke Zeitgenossen" den Sumpf bilden , aus dem "Blüten" wie die NSU und andere Totschläger hervorgehen .

    • K
      klobürste

      @winstonsmith:

      "...oder ist´s die Befürchtung, dass man sich dann ja auch noch selbst verhaften müßte?"

      Auch nicht schlecht , wenn sich Extremisten wegen erkannter Paranoi selber in die Geschlossene einweisen würden . Ist aber leider nicht zu befürchten .

    • G
      Gast

      @winstonsmith:

      Was für ein unglaublicher Schwachsinn