Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften: Zwei große Pioniere
Die US-Ökonomen Sims und Sargent haben die Analyse von Beschäftigung, Wirtschaftswachstum und Inflation modernisiert. Nun teilen sie sich den Wirtschaftsnobelpreis.
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BREMEN taz | Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an Thomas J. Sargent von der New Yorker Universität sowie Christopher A. Sims, der an der Princeton Universität lehrt. Damit erhöht sich die Zahl der Wirtschaftsnobelpreisträger aus den USA auf 48.
Die Leistung der neuen Preisträger steht außer Zweifel. Sargent und Sims haben die gesamtwirtschaftliche Analyse über Beschäftigung, Wirtschaftswachstum und Inflation grundlegend modernisiert. Unabhängig voneinander haben sie das Verhältnis der Wirtschaftspolitik im Zusammenspiel mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung untersucht.
Erhöht die Notenbank etwa ihren Leitzins, wird üblicherweise erwartet, dass die Inflation sinkt. Doch Sims und Sargent bezweifeln das. Steuersenkungen oder Konjunkturprogramme, die die Wirtschaft ankurbeln sollen, verfehlen ihr Ziel, wenn die Wirtschaftssubjekte den Erwartungen nicht folgen.
Es ist das Verdienst der beiden Nobelpreisträger, dass sie auf die Frage, warum möglicherweise eine gut gemeinte expansive Finanzpolitik die gesamtwirtschaftliche Entwicklung am Ende belastet, eine Antwort gefunden haben. Dadurch wurde eine neue Makroökonomik geschaffen. Denn während in den alten Theorien die Zukunft als Fortschreibung der Gegenwart wegdefiniert worden ist, rückt die neue Makroökonomie Wirtschaftssubjekte in den Mittelpunkt, die die künftige Entwicklung möglichst korrekt vorherzusagen versuchen.
Dies hat massive Folgen für die Wirtschaftspolitik. Wird etwa ein Konjunkturprogramm aufgelegt, hängt dessen Wirkung von den rationalen Erwartungen der Wirtschaftssubjekte ab. So kann der gewollte Wachstumsschub durch eine erwartete Inflation mit einer nachfolgenden restriktiven Geldpolitik zunichte gemacht werden.
Zugleich haben die beiden Nobelpreisträger auch neue Methoden entwickelt. So konnte Christopher Sims mit der "Vector Auto Regression" nachweisen, dass eine restriktive Geldpolitik erst in zwei Jahren die Inflation reduziert, während wirtschaftliche Wachstumsverluste sehr schnell eintreten.
Die beiden Nobelpreisträger behaupten, dass eine Politik an den Wirtschaftsakteuren scheitern kann. Insoweit wird sie auch als Warnung gegenüber einer Antikrisenpolitik geehrt.
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