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Neues Parlament in BerlinAlt und juristisch

Auch das neue Abgeordnetenhaus hat einen deutlichen Männerüberschuss zu verzeichnen. Ar­bei­te­r:in­nen sind wieder unterrepräsentiert.

Ab­ge­ord­ne­te:r ist ein Beruf, für den es keine Ausbildung braucht. Im Prinzip kann je­de:r Ab­ge­ord­ne­te:r werden, vorausgesetzt, er:­sie kann genug Wäh­le­r:in­nen überzeugen oder wird von einer Partei auf ihre Landesliste gesetzt. Doch diese Offenheit schlägt sich nicht unbedingt in der Vielfalt nieder, wie ein Blick auf die 153 Abgeordneten zeigt, die am Donnerstag offiziell in das Berliner Landesparlament eingezogen sind.

Fast schon erwartbar ist der Männerüberhang. Nur 38 Prozent der Abgeordneten sind Frauen. Verantwortlich dafür sind vor allem die rechten Parteien CDU und AfD, in deren Fraktionen jeweils weniger als ein Sechstel Frauen sitzen. Bei Grünen und SPD herrscht beinahe Parität, lediglich die Linke kann mit 60 Prozent einen deutlichen Frauenüberschuss verzeichnen.

Damit liegt Berlin im bundesweiten Vergleich des Frauenanteils auf dem dritten Platz hinter Hamburg (49 Prozent) und Bremen (43 Prozent). Der internationale Blick zeigt aber, dass da noch viel Luft nach oben ist: So hat etwa das zentralafrikanische Ruanda seit 2003 eine Frauenquote von über 60 Prozent im nationalen Parlament.

Mit einem Anteil von 15 Prozent sind Ju­ris­t:in­nen deutlich überrepräsentiert

Ein kleiner Lichtblick: Mit der Linken-Ökonomin und Aktivistin Ruby Cichon zieht zum ersten Mal eine Person ins Abgeordnetenhaus ein, die sich als trans identifiziert.

Greise AfD-Fraktion

Im Schnitt sind die Abgeordneten 44,9 Jahre alt – deutlich älter als die 42,8 Jahre des Berliner Durchschnitts. Auch hier reißt die AfD mit 58 Jahren den Mittelwert weit nach oben, während die Linksfraktion mit 39,5 Jahren verhältnismäßig jung ist.

Interessanter ist der Blick auf den beruflichen Hintergrund der Abgeordneten. Der überwiegende Teil, rund 77 Prozent, hat studiert. Zum Vergleich: Bundesweit hatten 2025 laut Angaben des Statistischen Bundesamtes nur 21,7 Prozent der Bevölkerung einen Hochschulabschluss.

Nur etwa 16 Prozent haben ausschließlich eine Ausbildung absolviert. Das entspricht in etwa dem Anteil, die einen Hintergrund in Jura oder Rechtswissenschaften haben. Mit einem Anteil von 15 Prozent sind Ju­ris­t:in­nen deutlich überrepräsentiert. Bundesweit hat nur etwa ein halbes Prozent der Erwerbstätigen einen Jura-Hintergrund. Selten hingegen sind Erwerbsbiografien wie von Raed Saleh. Der ehemalige SPD-Fraktionsvorsitzende brach sein Medizinstudium ab und arbeitete sich in einer Burger-King-Filiale zum Filialleiter hoch.

Bundeswehr im AGH

Interessant ist auch ein Blick auf die Berufe, die die Abgeordneten bis zum Wechsel ins Parlament ausgeübt haben. Knapp die Hälfte der Mitglieder zieht zum ersten Mal ins Abgeordnetenhaus ein. Neben den An­wäl­t:in­nen (8) und Ju­ris­t:in­nen (5) zieht mit dem Linken Hans Kromrey sogar ein Richter vom Landesgericht in das Parlament ein.

Eine weitere Ausnahme ist der direkt gewählte Linken-Abgeordnete Ekkehard Spiegel. Spiegel ist gelernter Gärtner und Busfahrer der BVG.

Mit den AfD‑Abgeordneten Andreas Otti und Stephan Knaute sind nun auch zwei ehemalige Bundeswehroffiziere im Parlament vertreten. Knaute leitete bislang ein Munitionsdepot im brandenburgischen Schneeberg – sehr beruhigend.

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