Neues Künstlerhaus: Begegnungsraum im Schnoor

Mitten im Schnoor hat der „Ausspann“ wiedereröffnet. Er soll Raum für Kunst, Kreativität und Integration schaffen. Die Finanzierung steht auf der Kippe.

Ruth Degenhardt und Ronald Philipps in der Tür des „Ausspann“ Foto: Jördis Früchtenicht

BREMEN taz | Der „Ausspann“ im Schnoor will mehr bieten als nur Gastronomie. Seit Ende März ist das gelb gestrichene Eckhaus offiziell nun wiedereröffnet. Als Künstlerhaus soll es Raum für alle Teile der Gesellschaft bereitstellen.

„Tee aus dem Samowar und Leitungswasser gibt es gratis“, sagt Ronald Philipps, Künstler und Initiator des Projekts. Außerdem wurde das Prinzip des „Suspended Coffee“ eingeführt. Beim „aufgeschobenen Kaffee“ haben Kunden die Möglichkeit, zusätzlich zu ihrem Getränk noch ein zweites zu bezahlen. Was bezahlt wurde, wird auf die Tafel gegenüber der Theke vermerkt. Die bezahlten Getränke können sich dann Bedürftige bestellen. „Inzwischen zahlen manche Besucher auch schon Essen“, berichtet Philipps.

Integration ist ein besonders wichtiger Teil des Ausspanns. Von Anfang an haben Flüchtlinge im Haus geholfen und nutzen die Räumlichkeiten für Sprachkurse und Kreativ-Gruppen. Seinen Ursprung hat das Projekt in der Flüchtlingskrise. „Nachdem diese 2015 begann, fragten verschiedene Gruppen, die mit Flüchtlingen arbeiten, ob sie mein Atelier für kreatives Arbeiten nutzen können“, erzählt Philipps. Sein Atelier in Walle wurde immer voller.

Häufig ging der Künstler, der eigentlich im wenige Meter entfernten Künstlerhaus Art15 verwurzelt ist, am leer stehenden Ausspann vorbei. „Im Februar 2016 habe ich mich dann entschieden, das Haus zu mieten.“ Über ein Jahr wurde mit zahlreichen Ehrenamtlichen, darunter vielen Flüchtlingen, am 1562 gebauten Speicherhaus gewerkelt. Fertig ist es dennoch nicht. In der Mansarde entsteht gerade ein Multimedia-Atelier. Die Wände wurden gemeinsam mit einer Klasse von „neudeutschen“ SchülerInnen der Rübekamp-Schule gestrichen, die Farbe wurde von einem Malerunternehmen aus dem Schnoor gesponsert, die SchülerInnen haben sich mit bunten Handabdrücken an den Dachschrägen verewigt.

Auch in anderen Räumen des verwinkelten Hauses sind Geflüchtete aktiv. Eine Gruppe afghanischer Frauen trifft sich, um zu besprechen, wie sie die Integration von Frauen verbessern können. Andere Geflüchtete lernen mit Hilfe von Ehrenamtlichen Deutsch, während ihre Kinder betreut werden. Allerdings sind die Deutschkurse noch nicht zertifiziert. „Das ist in Arbeit“, so Philipps.

Studierende und Geflüchtete treffen sich, um gemeinsam kreativ zu sein. „Der Ausspann ist ein schöner Ort für die Zusammenkunft verschiedener Gesellschaftsgruppen“, meint eine Studentin. „Er bietet Raum für Projekte und diejenigen, die Projekte gestalten wollen.“ Eine junge Frau aus Sri Lanka meint: „Der Austausch mit den anderen hilft mir, Deutsch zu üben.“

Es gibt für Flüchtlinge auch Informationen und Einzelgespräche zu Asylverfahren. Die Sprache sei dabei egal, meint Philipps. „Sobald ich die Sprache erkannt habe, habe ich jemanden, der dolmetscht.“

Ronald Philipps, Künstler

„Jeder kann eigene Ideen mitbringen und hier umsetzen“

Ehrenamtliche und Geflüchtete bringen selbst Ideen für Projekte ein, so ist etwa ein Nähkurs geplant. Wenn etwas im Ausspann nicht umgesetzt werden kann, wird nach Alternativen gesucht. „Eine Gruppe von Flüchtlingen, die gerne Musik machen wollte, habe ich etwa an das Kulturzentrum Lagerhaus vermittelt“, erzählt Philipps, der den Ausspann als Ganzes auch als Kunstprojekt sieht.

Die Finanzierung des Projekts ist ein Problem. „Das Haus steht mal wieder auf der Kippe“, sagt Philipps, der die Kosten zur Zeit selbst trägt. Das soll sich jedoch ändern – ein Förderverein wird gerade gegründet. Damit, so glaubt Mit-Initiatorin Ruth Degenhardt, kommen mehr Spenden: „Es ist etwas anderes, als Verein Geld zu sammeln als als Künstler.“ Die InitiatorInnen hoffen, dass Spenden kommen, wenn Spendenquittungen ausgestellt werden können.

„Das Haus soll auf drei Säulen stehen“, sagt Philipps. Neben der Wirtschaft seien Politik und Behörden, die etwa für die Nutzungserlaubnis zuständig sind, und die Gesellschaft wichtig. „Die Leute sollen mehr Eigenverantwortung übernehmen“, meint Philipps. „Wir stellen hier mitten in der Stadt ein Haus zur Verfügung, die Gesellschaft soll diese Möglichkeit nutzen. Jeder kann eigene Ideen mitbringen und sie hier umsetzen.“

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