Neuer Corona-Teil-Lockdown: Das ungerechte Virus

Es ist zutiefst unfair, dass Museen, Theater und Fitnessstudios dichtmachen müssen. Doch für die Kontaktminimierung ist das bitter nötig.

Gestapelte Gartenstühle

Gartenstühle außer Betrieb: Restaurants dürfen nur noch to go verkaufen Foto: dpa

Sie haben ausgeklügelte Hygienekonzepte entwickelt. Manche haben Strahler und Heizpilze erworben. Es gelten strenge Einlassregeln, die Einbahnstraßenwege sind penibel gekennzeichnet. Sie haben wirklich alles getan, was menschenmöglich erscheint. Und jetzt? Ab diesem Montag sind Restaurants, Kneipen und Hotels erneut geschlossen. Museen, Konzerthäuser und Gedenkstätten machen dicht, Fitnessstudios und Sportvereine verrammeln ihre Türen. Ist das nicht zutiefst unfair?

Ja, das ist es. Zumal niemand behaupten wird, dass von einer Sammlung Alter Meister oder dem Eisbären-Freigehege irgendeine Ansteckungsgefahr ausgehen würde. Doch tatsächlich stehen all die nun geschlossenen Etablissements gar nicht im Verdacht, heimliche Coronaschleudern zu sein. Ihre Schuld liegt einzig in der Tatsache begründet, Anziehungspunkte für Menschen zu sein, ohne dass im Nachhinein feststellbar wäre, wer dabei wem zu nahe gekommen sein könnte. Genau darum geht es ja: die Minimierung der Kontakte ­zwischen den Menschen. Und die erscheint bei den täglich steigenden Infektionszahlen bitter nötig.

Es ist auch keine Willkür, dass sich die Bänder bei VW weiter bewegen dürfen. In der industriellen Produktion sind die Arbeitsplätze wie in den Büros in aller Regel personalisiert, da lässt es sich nachverfolgen, welche Kontakte erfolgt sind. Eher könnte man danach fragen, warum Shoppingmalls geöffnet bleiben dürfen und welche Daseinsberechtigung Möbelhäuser besitzen.

Aber es bleibt dabei: Die Maßnahmen sind für die Betroffenen zutiefst ärgerlich. Unglücklicherweise fehlt es an Alternativvorschlägen. Das Virus nimmt keine Rücksicht auf das vermeintlich normale Leben. Es berücksichtigt noch nicht einmal die Versprechungen der Politik, dass, wenn wir uns alle der Pandemie angepasst verhalten, ein familienfreundliches Weihnachtsfest unterm Tannenbaum möglich würde. Niemand weiß, ob in einem Monat die Infektionszahlen so weit gesunken sind, dass die Einschränkungen wieder aufgehoben werden können. Das Verlangen nach langfristigen Planungen ist deshalb so wohlfeil wie verständlich. Aber wer heute schon behauptet, einen Plan bis Ende Februar in der Tasche zu haben, der lügt. Wer nach einem solchen Plan verlangt, der verbreitet eine Hoffnung nach Sicherheit und geregelten Verhältnissen, die derzeit nicht zu haben sind. Genauso gut empfiehlt sich der Kauf einer Glaskugel.

Tatsächlich geht es nur um eines: sich ein paar Monate Zeit zu erkaufen, bis – auch dies nur eine wenn auch begründete Hoffnung – ein Impfstoff zur Verfügung steht.

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Jahrgang 1957, ist Leiter von taz.eins, dem Ressort, das die Seite eins und die Schwerpunktseiten plant und produziert. Er ist seit den 1980er Jahren bei der taz und war u.a. Chef vom Dienst und Ressortleiter im Inland. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte. Zuletzt erschien von ihm herausgegeben: "Das Amulett und das Mädchen", Hentrich & Hentrich 2019

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