Neue alternative Privatschule: Freie Schule im Endspurt

Mit der Freien Gemeinschaftsschule wird die erste unabhängige alternative Privatschule Bremens eröffnen. Eigentlich fehlen nur noch ein paar SchülerInnen.

Bremens neuster Schulweg liegt in Sebaldsbrück Foto: Jan-Paul Koopmann

Am Ende waren sie dann selbst ein bisschen überrascht darüber, dass es diesmal geklappt hat: die Elterninitiative hinter der „Freien Gemeinschaftsschule Bremen“ (FGS) freut sich über das Okay aus der Bildungsbehörde. An der FGS sollen Jugendliche „selbstbestimmt und demokratisch lernen“, sagt Mit-Initiator Martin Wandelt. Selbst über ihre Lehrpläne entscheiden die Jugendlichen im Plenum. Rund 50 SchülerInnen der Jahrgänge fünf bis zehn sollen im alten Postamt am Sebaldsbrücker Bahnhof die erweiterte Berufsbildungsreife oder einen mittleren Schulabschluss erwerben.

Die FGS wird Bremens erste freie allgemeinbildende Privatschule. Die anderen sind entweder an Waldorfpädagogik oder kirchlich ausgerichtet – oder sie haben eine spezielle Zielgruppe wie die englischsprachige „International School“. Alternative Gründungsversuche gab es allerdings auch in der Vergangenheit. Aus Sorge um soziale Segregation und die Aushöhlung des staatlichen Schulsystems hat Bremens ehemalige Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) alternative Projekte auch vor Gericht bekämpft.

Obwohl die FGS mit nur 16 SchülerInnen startet, gibt es mittlerweile wieder freie Plätze. Denn als sich die Wartezeit auf die Zulassung in die Länge zog, seien einige Interessierte wieder abgesprungen, sagt Nicole Weydmann vom Elternverein. Sie hätten dann Verträge etwa beim Konkurrenten Waldorf unterschrieben. Am kommenden Sonntag findet ein Informationsnachmittag für interessierte Eltern statt. Für die folgenden Jahrgänge hingegen sollen bereits viele Zusagen vorliegen.

Nicht alle der über 200 FGS-UnterstützerInnen haben noch selbst Kinder im schulfähigen Alter. Weydmann nennt sie die „politische Unterstützung“ – WegbegleiterInnen vorheriger Gründungsversuche und der Auseinandersetzungen mit der Bildungsbehörde. Auch Wandelt stand 2012 noch gegen die Behörde vor Gericht. Damals ging es um eine freie Grundschule. Für diese Schulform gelten schärfere Bedingungen an das pädagogische Konzept als bei Oberschulen. Auf Nachfrage der taz hatte Behördensprecherin Christina Selzer versichert, diesmal handle es sich nicht um eine politische Entscheidung, sondern um einen Verwaltungsakt.

Mit dieser Trennschärfe allerdings hat es die Behörde zumindest aus Sicht der verhinderten SchulgründerInnen nicht immer so genau genommen. Die Eltern hatten der Verwaltung vorgeworfen, ihre Anträge aus politischen Motiven verschleppt zu haben . Ein paar Monate hat es dann auch diesmal gedauert. Laut Wandelt lief es ansonsten aber problemlos. „Die Behörde wirkt wie ausgetauscht“, sagt er. Heute seien viele neue Gesichter dort und die Gespräche seien durchweg freundlich und verständig verlaufen.

Den bundesweiten Trend zu mehr Privatschulen konnte der frühere Widerstand ohnehin nicht aufhalten. Das Statistische Bundesamt verbucht seit Jahren mehr an Privatschulen Unterrichtete. Mit rund 10,4 Prozent liegt Bremen sogar über dem Bundesdurchschnitt.

An der FGS möchte man nun nicht nur pädagogisch alles anders machen. So sollen etwa auch unter den „LehrbegleiterInnen“ Hierarchien abgebaut und LehrerInnen und „Hortkräfte“ gleich bezahlt werden. Nur leisten kann sich der Elternverein das noch nicht. In den ersten drei Jahren müssen Privatschulen ohne öffentliche Fördermittel auskommen und allein das Schulgeld von durchschnittlich 170 Euro reicht für diese geplante Gleichbehandlung noch nicht aus. Die Perspektive sei langfristig aber da, so Weydmann.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben