Neue Unterkünfte für Flüchtlinge: Haus statt Container

In Lokstedt mietet die Stadt leer stehende Wohnungen für Flüchtlinge. Ein fortschrittlicher Plan, findet der Experte vom Diakonischen Werk.

Bisher setzte die Stadt meist auf umstrittene Unterkünfte: das Containerdorf. Bild: dpa

Die Sozialbehörde will leer stehende Wohnungen in Lokstedt mieten, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Laut Behörde soll der Mietvertrag für zunächst 38 Wohnungen über zwei Jahre laufen. In diesem Zeitraum sei es geplant, in der Reihenhaussiedlung weitere frei werdende Wohnungen zu mieten, sagt Sprecherin Nicole Serocka. Insgesamt sollen An der Lohbek und im Grandweg 150 Menschen unterkommen.

Weil es sich hier um Wohnungen in einem Wohngebiet und nicht um die oft übliche Unterbringung in Gewerbegebieten und Randlagen handelt, wertet Dirk Hauer die Pläne als einen Fortschritt. Der Fachbereichsleiter Existenzsicherung und Migration bei der Diakonie Hamburg spricht von einem wichtigen Schritt in die richtige Richtung.

Mit einer Sofortmaßnahme versucht die Sozialbehörde seit Ende 2012, das Problem der mangelnden öffentlichen Schlafplätze in den Griff zu bekommen. In den 90er-Jahren schloss Hamburg zahlreiche Flüchtlingsunterkünfte. Denn damals sanken die Flüchtlingszahlen – auch im Zuge des „Asylkompromisses“ und der Einschränkung des Grundrechts auf Asyl – kontinuierlich.

In der öffentlichen Unterbringung hat die Stadt immer noch zu wenige Plätze - obwohl sie von November 2012 bis Ende 2013 bereits rund 3.100 neue geschaffen hat.

Insgesamt 10.851 Plätze für Wohnungslose und Flüchtlinge hat Hamburg nach aktuellen Angaben - zwischen beiden Gruppen wird in der städtischen Statistik nicht genauer differenziert.

Für das Jahr 2014 rechnet die Stadt mit einem zusätzlichen Bedarf von 3.700 Schlafplätzen.

Zunächst 38 leer stehende Wohnungen mit ein bis 2,5 Zimmern will die Sozialbehörde aus privater Hand in Lokstedt mieten, um in ihnen Flüchtlinge unterzubringen.

Doch seit 2009 steigen die Zahlen wieder und die Stadt tut sich schwer, für ausreichend neue Kapazitäten zu sorgen. Vor allem die zentrale Erstaufnahme ist überfüllt. Dort leben Menschen auf engstem Raum, die Gesundheitsversorgung ist nicht immer sichergestellt. Um möglichst schnell neue Plätze zu schaffen, setzte die Stadt bislang vorwiegend auf umstrittene Containerunterkünfte. „Wegen der Not“, so Hauer, „kann man derzeit leider schlecht über den Zustand in den Unterkünften sprechen – das wäre aber dringend nötig.“

„Ein Teil des Problems ist, dass viele Menschen in Unterkünften leben, die dort nicht hingehören“, sagt Hauer. Denn eigentlich hätten sie einen Anspruch auf eine Wohnung. Eine zentrale Forderung der Diakonie richtet sich deshalb an die Saga. Als städtisches Wohnungsunternehmen müsste sie viel mehr Wohnungen an dringlich Suchende vermieten – am besten jede zweite Neuvermietung im Jahr.

Dass die Stadt außerdem stärker auf leer stehende Immobilien zurückgreifen soll, um gegen den Wohnraummangel vorzugehen, fordern Initiativen schon lange. Marc Meyer von Mieter helfen Mietern schätzt, dass es bis zu 3.000 leer stehende Wohnungen gibt, die mit wenig Aufwand bewohnbar würden.

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