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Neue Musik aus BerlinNostalgie und Trost

Das Berliner Trio Fotokiller veröffentlicht sein Debüt „Eerie Nostalgia“. Es klingt nach aufgefrischtem Achtziger-Postpunk und -Indierock.

Fotokiller im Wald Foto: FK

M anchmal sagen zwei Wörter ja mehr als tausend Worte – zum Beispiel im Fall des Debütalbums von Fotokiller. „Eerie Nostalgia“, also „unheimliche Nostalgie“, hat das Trio es genannt, und damit wäre bereits viel über den Sound gesagt: Er lehnt sich erkennbar an den Postpunk und Independent Rock der Achtziger an, klingt oft düster und geheimnisvoll und hinterfragt die Nostalgie nach dieser popkulturellen Ära gleich im Titel.

2020 hatten die drei Berliner:innen, namentlich Sophie „Sofy“ Sandig (Gesang/Gitarre), Damian „Damon“ Porwolik (Bass) und Matthias „Kitty“ Rüger (Schlagzeug), bereits ein Demo veröffentlicht, einige der Songs tauchen hier in neu produzierten Versionen auf.

In den 10 Stücken zeigt sich die Gitarrenfraktion geschlossen joydivisionesk, gleich das Eingangsstück heißt übrigens „Control“ (man denke an „She’s lost control“ von Joy Division und den Film über Ian Curtis). Es kommen einem aber auch andere Acts wie (frühe) R.E.M., Superchunk oder Wipers als Referenz in den Sinn.

Das Album

Fotokiller: „Eerie Nostalgia“ (order05 Records), live: 14.10., Kastanienkeller, Kastanienallee 85

Fotokiller gelingen dabei schön eingängige Hymnen, „Stop The World“ will man angesichts der Nachrichtenlage gleich ständig mitsummen, „Lovers Undercover“ ist ein Song, der so knallt, wie die Liebe knallen kann („Your Love is like a gunshot“), im Refrain von „Asleep“ fühlt man sich warm umhüllt von breiigen Indie-Gitarren und einem Trost spendenden Gesang.

Einziger Minuspunkt: Die Kompositionen klingen teils sehr ähnlich. Ansonsten darf man voller Vorfreude Live-Auftritten von Fotokiller entgegensehen.

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Jens Uthoff
Redakteur
ist Redakteur im Ressort wochentaz. Er schreibt vor allem über Literatur-/Kulturthemen und beschäftigt sich mit der Geschichte und Politik Osteuropas.
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