Neue Musik aus Berlin: Nach Kalifornien hier entlang

CV Vision klingt auf seinem Solo-Debütalbum „Tropical“, als ob er an einem kalifornischen Strand Surfmusik mit Krautrock mischt.

Sonnenbrille auf, Handtuch über die Schulter: „Der Strand (außer Rand und Band)“ Foto: Wikimedia

Wer sich gern mal kurz in ein anderes Universum beamen würde und gerade kein LSD zur Hand hat, dem sei das Solo-Debütalbum von Dennis Schulze alias CV Vision nahegelegt.

„Tropical“ heißt das Album, die rein instrumentalen Stücke darauf sind geprägt von analogen ­Synthesizerklängen jedweder Art (der Mann verfügt wohl über ein reiches Arsenal an Geräten), Twang-Gitarren, einem funky Bass und LoFi-Sound – an einen wärmeren, besseren Ort entschwinden kann man mit diesen 14 Tracks ganz hervorragend.

Stilistisch bedient Dennis Schulze eine breite Palette: Manchmal erinnert CV Vision an eine schmutzigere Variante von Krautrock á la Neu! oder Michael Rother solo („Parallel Universum“ hört sich fast wie eine Hommage an), dann bewegt er sich zwischen Psychedelic Rock, Surfmusik und arabischen Klängen (im tollen „Ritual No.4“), dann wieder sind da tiefenentspannte Westcoast-Sounds wie „Spaziergang am Meer“ oder „Der Strand (außer Rand und Band)“.

Die Titel sind Programm, man sieht den California Beach förmlich vor sich, rückt die Sonnenbrille gerade, fährt sich durch das salzwassergetränkte Haar und wirft sich das Badehandtuch über die Schulter.

CV Vision: „Tropical“ (South of North Records)

Neben jenen Einflüssen klingt auch der US-Experimental-Pop jüngerer Jahre an. In „Mr. Maze“ etwa, einem der stärksten Stücke des Albums, fühlt man sich an die frühen Animal Collective erinnert, es ist das einzige Mal, dass eine Gesangsspur verwendet wird, sie wirkt wie von einem alten Tonband gezogen, der Track klingt, als hätte man die Beach Boys und ABBA zusammen mit einem Synthesizer-Nerd in einen Raum gesperrt.

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In „Das Kloster am Berg“ begnügt sich Schulze einfach mit repetitiven Orgel-Sounds wie auf einer alten Platte, die einen Sprung hat (nur ohne das Knistern).

Dennis Schulze hat zuvor schon gelegentlich bei der Berliner Psychedelic-/Kraut-Combo Odd Couple mitgewirkt, als CV Vision ist er nun auf einem weiten Spiel- und Experimentierfeld unterwegs, das man nur allzu gern mit ihm begeht.

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schreibt seit 2011 für die taz und ist Mitarbeiter der Kultur- und Sportredaktion.

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