Netflix-Serie „Tiger King“: Verrückt und flauschig

Die beliebte Miniserie zeigt bizarre Menschen und ihre Großkatzen. Die Tiere dienen dabei primär als Schocker. Um ihr Wohlbefinden geht es nicht.

der Country- und Westernsänger Joe Exotic mit einem Tiger

Hauptdarsteller Joe Exotic mit seiner Hauskatze Foto: Netflix

Die beliebte Doku-Miniserie „Tiger King“ hat alles, um das Publikum von der Coronakrise abzulenken: bizarres Personal, unglaubliche Plot­twists, eine Blutfehde und Tiger.

Während man sich bei weniger intensiven Seherlebnissen mittlerweile dabei erwischt, wie man kontrolliert, ob die Menschen, die zu sehen sind, den Corona-Sicherheitsabstand einhalten, ist die Story um den schwulen Privatzoobesitzer und „Tiger King“ Joe Exotic zu krass für solche Gedanken. Keine einordnende Stimme aus dem Off unterbricht die egomanen Protagonist*innen, wenn sie von ihrer Parallelwelt erzählen, von Tigern, Löwen, Pumas, von Affen, Kamelen und Alligatoren, von Mordaufträgen, FBI-Agenten, Polygamie und Präsidentschaftskandidaturen.

Neben dem Zooeintritt und dem Souvenirverkauf sind das Streicheln von Babytigern und Raubtier-Selfies Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Deshalb leben in den schäbigen Privatzoos der USA mittlerweile mehr Tiger als weltweit in freier Wildbahn.

Tiere als Flausch- und Schockelemente

Der charismatische und cholerische, mit zwei Ehemännern zusammenlebende Redneck-Cowboy Exotic ist einer der bedeutendsten Großkatzenzüchter der USA. Ohne diesen Protagonisten wäre die Serie wohl nicht so ein Erfolg. Allerdings auch nicht ohne seine nicht weniger absonderliche Gegenspielerin, die ständig Catprint tragende Carole Baskin. Diese hält zwar ebenfalls Tiger und andere Großkatzen, betreibt jedoch keinen Zoo, sondern ein Tierasyl.

„Tiger King“, 7 Episoden, Netflix

Die Tiere werden aber eher als Flausch- und Schockelemente eingesetzt, es geht nicht um ihr Wohlbefinden. Während Einzelheiten aus dem Privatleben der Protagonist*innen detailliert beleuchtet werden – der Frage, ob Baskin ihren zweiten Ehemann umgebracht und an die Tiger verfüttert hat, wird eine ganze Folge gewidmet – wird an keiner Stelle der siebenteiligen Netflix-Serie auf die Lebendbedingungen der Tiere eingegangen.

Die unfassbaren Aktionen der menschlichen Protagonist*innen anzuschauen ist, wie einem Autounfall in Zeitlupe zuzusehen, bei dem sich die meisten Beteiligten bis vor dem Aufprall pudelwohl fühlen und sicher sind, dass die Sache gut ausgehen wird. Daneben erscheinen die eigenen Lebensentscheidungen, so schlecht sie auch sein mögen, unheimlich reflektiert.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de