Nepals Jugend protestiert gegen Umgang mit Corona: Ablenkungsmanöver in Kathmandu


Seit Tagen gehen Nepalesen auf die Straße, um gegen den Corona-Kurs der Regierung zu protestieren. Doch die streitet sich lieber mit Indien.

Eine Frau mit Mundschutz verteilt während einer Demonstration Blumen an Polizisten.

Blumen gegen das Corona-Missmanagement Foto: dpa

MUMBAI taz | Gegen 10 Uhr morgens begannen am Samstag in Nepals Hauptstadt Kathmandu erneut Proteste gegen das Missmanagement der Regierung während der Coronapandemie. Die Versammlungen, getragen von jungen Menschen, verliefen im Gegensatz zu den vergangenen Tagen friedlich ab, berichtet die Kathmandu Post. Die Polizei habe keine Gewalt angewendet, allerdings wurden 10 Personen, darunter sieben AusländerInnen verhaftet. Die Beteiligung von nicht-nepalesischen Staatsbürgern werde untersucht. „Ausländern ist es nicht erlaubt, in Nepal zu protestieren“, sagte ein Polizeibeamter.

Die Jugendproteste wurden größtenteils über soziale Medien organisiert und fanden im ganzen Land Anklang, da die Enttäuschung und Hilflosigkeit in der Bevölkerung nach drei Monaten des Lockdown wächst. Manche der Demonstrierenden sangen am Samstag die Nationalhymne und verteilten Blumen an Sicherheitskräfte. Andere saßen mit Maske und Abstand voneinander auf dem Boden und hielten ihre Forderungen an die Regierung auf Plakaten geschrieben in der Hand.

„Korruption ist die Pandemie“ lautete einer der Protest-Sprüche. Den meisten geht es um einen „würdevolleren Umgang und Corona-Hilfsmaßnahmen für Tagelöhner, rückkehrende Gastarbeiter, Einkommensschwache und Marginalisierte“. Und die Frage, welche Verwendung die von der Regierung verkündeten 73 Millionen Euro für den Kampf gegen die Pandemie tatsächlich fanden. Doch dazu schwieg Premier KP Sharma Oli.

Im Gegenteil: Nach einem massiven Protest mit tausend Menschen in der Hauptstadt Kathmandu am Donnerstag wurde vom Innenministerium vor weiteren Protesten gewarnt, die gemäß dem ‚Infectious Diseases Act 2020‘ mit einer Gefängnisstrafe von bis sechs Monaten geahndet werden können.

Spannungen zwischen Indien und Nepal

Der groß angekündigte Protest am Samstag fand dennoch statt, wenn auch abgeschwächt. Drei Parteien hatten ihre Unterstützung im Vorfeld zugesagt, manche fürchteten dadurch eine politische Einmischung. Kurz davor gab es Forderungen nach einer Verschiebung. Die Regierung hatte spontan eine Abstimmung über eine überarbeitete Landkarte seiner Nation dazwischengeschoben.

In dieser Version sind umstrittene Himalaya-Regionen als nepalesisches Territorium aufgeführt, was zuvor schon zu Unstimmigsten mit Neu-Delhi führte. Laut Kathmandu Post erklärten die Demonstranten, sie gehörten keiner politischen Organisation an. Sie wären für die neue Karte, aber weiterhin gegen den Umgang der Regierung mit dem neuen Coronavirus. Bisher wurden rund 310.000 Coronatests in Nepal durchgeführt und etwa 158.000 Menschen unter Quarantäne gestellt. Seit Ende Mai sind im Entwicklungsland die Covid-19-Fälle rasch angestiegen und liegen bei über 5.300.

Zu den Protesten äußerte sich Premier KP Sharma Oli nicht. Die Spannungen zwischen Nepal und Indien nahmen im vergangenen Monat drastisch zu. Grund dafür war unter anderem die Einweihung einer Verbindungsstraße durch Indien, die in einer umstrittenen Region an der Kreuzung mit Tibet und China liegt. Der Grenzstreit lenkt nun von der gescheiterten Eindämmung der Pandemie ab und stellt den Ruf der Jugend nach Transparenz in den Schatten.

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