Nachruf auf George Martin: Der geniale Tüftler im Hintergrund
George Martin war als Entdecker und Produzent maßgeblich am Erfolg der Beatles beteiligt. Jetzt ist er im Alter von 90 Jahren gestorben.
Foto: reuters
Besonders gut fand George Martin ihre ersten Demos nicht. „Eigentlich waren sie sogar schrecklich“, urteilte der Toningenieur und damalige Boss der britischen Plattenfirma Parlophone im Jahr 1962 über die Beatles. Doch er mochte Ehrgeiz und Ausstrahlung der vier Liverpooler und gab ihnen eine Chance. Weder er noch die Band selbst sollten das bereuen. Gemeinsam arbeiteten sie an mehr als 200 Songs.
Auf seinen Vorschlag hin stieß etwa Ringo Starr als Schlagzeuger dazu. Ansonsten blieb Martin der geniale Tüftler im Hintergrund: Er hatte herausragendes Gespür für Arrangements und half den Musikern ein Gefühl für das Zusammenspiel von Klängen zu entwickeln. So zeigte er ihnen Soundeffekte, die zuvor nur Avantgarde-Künstler einsetzten – etwa die rückwärts abgespielten Sprachaufnahmen in „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ (1967).
Martin war kein allmächtiger Produzent. Er ließ den Beatles künstlerische Freiräume. „Ein Produzent muss sich in Menschen hineinversetzen“, sagte er einmal. Martin gelang das außerordentlich gut. So überlebte seine Zusammenarbeit mit den Beatles auch deren besitzergreifenden Weltruhm und alle Drogeneskapaden der Bandmitglieder.
George Martin wurde 1926 in Nordlondon geboren. Klavierspielen brachte sich der Sohn eines Zimmermanns selbst bei. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er in der Royal Navy gegen die Deutschen. Nach 1945 studierte er Piano und Oboe, arbeitete für die BBC und übernahm 1955 den Chefposten bei Parlophone. Sein Erfolg mit den Beatles machte ihn zum gefragten Produzenten. So arbeitete er unter anderem mit Elton John zusammen und produzierte etwa die Musik für die James-Bond-Verfilmung „Live and let die“. Am Dienstag starb der hochverehrte Produzent im Alter von 90 Jahren.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert