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Nachfolgeregelung im UmweltbundesamtDer Transformator kommt

Der Entwicklungsexperte Dirk Messner wird neuer Chef des Umweltbundesamts. Er folgt auf Maria Krautzberger und will die Behörde internationaler machen.

Bernhard Pötter

Aus Berlin

Bernhard Pötter

Erst im April beschäftigte sich Dirk Messner wieder einmal mit einer der ganz großen Zukunftsfragen: der Digitalisierung und ihrer Auswirkung auf Mensch und Umwelt. „Utopie und Horror liegen dicht nebeneinander“, befand der Ko-Vorsitzende des „wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen“ (WBGU) bei der Vorstellung des Gutachtens „Unsere gemeinsame digitale Zukunft“. Die digitale Revolution brauche dringend Regeln.

An denen und anderen Entscheidungen im Umweltbereich kann der 57-jährige Politikwissenschaftler ab Januar selbst kräftig mitwirken. Dirk Mesner wird zum 1. Januar 2020 Präsident des Umweltbundesamts (UBA), der mit 1.600 Mitarbeitenden größten und wichtigsten Öko-Behörde Deutschlands. Das hat das Bundeskabinett auf Vorschlag von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Mittwoch beschlossen. Er folgt auf Maria Krautzberger, die in den Ruhestand geht.

Mit Messner holt Schulze einen Fachmann für internationale Kooperation und den ökologischen Umbau der Industriegesellschaft auf den Chefposten in Dessau. Er sei der „richtige Mann zur richtigen Zeit, denn Umweltpolitik ist mehr denn je auf Vernetzung und internationale Expertise angewiesen“, sagte Schulze. Messner leitete bis 2018 über 16 Jahre das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE), eine Behörde des Forschungsministeriums, lehrt derzeit an der Uni Duisburg/Essen und ist Direktor des Institute for Environment and Human Security an der UN-Universität in Bonn.

Er habe die letzten Jahre viel zu den Themen der „großen Transformation“ gearbeitet, sagte Messner nach seiner Ernennung zur taz. „Aber die Themen zur Energie-, Mobilitäts- oder Landwirtschaftswende haben die Expertenzirkel nur selten verlassen. Das ändert sich gerade, durch internationale Bedingungen und durch Fridays for Future. Die Zeit ist reif für diese Transformationen.“

WBGU, UBA, EPA, SDG

Messner sagt, er wolle die fachliche Beratung der Bundesregierung als UBA-Präsident weiterführen und gleichzeitig die internationale Rolle der Behörde ausbauen. Ob er Mitglied im WBGU bleibt, ist derzeit noch nicht entschieden.

Das UBA ist sowohl Behörde mit hoheitlichen Funktionen etwa bei Genehmigungen als auch unabhängiges Forschungsinstitut. In der internationalen Debatte um eine dringend nötige Wende in der Klima- und Nachhaltigkeitspolitik will Messner das UBA stärker positionieren, auch weil andere wichtige Institute schwächer werden: Die US-Umweltbehörde EPA ist von der Trump-Regierung stark geschwächt, auch die britische Stimme wird mit dem Brexit leiser. Dem neuen UBA-Chef schwebt eine EU-weite Kooperation der Nachhaltigkeitsforschung vor – als einer der wenigen in der Szene hält er neben den Klima- und Umweltzielen auch immer die „Nachhaltigkeitsziele“ (SDG) der UNO hoch.

Für den offenen und kommunikativen Messner ist der neue Job auch der Schritt aus der reinen Wissenschaft in die Sphäre der Politik und deren Konflikte, etwa um Dieselabgase oder umweltschädliche Subventionen. „Wir werden weiter kritisch auf die Regierung blicken“, sagt er. Wohin das führen kann, zeigt sein Vorvorgänger als UBA-Chef: Jochen Flasbarth ist inzwischen Staatssekretär im Bundesumweltministerium.

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