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Nach Ausschreitungen im Dresdner StadionDFB kündigt Verfahren gegen Dynamo und Hertha an

Das Zweitligaspiel zwischen Dresden und der Berliner Hertha machten Ultras zur Krawallkulisse. Der DFB will nun gegen beide Vereine vorgehen. Die Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruch und Körperverletzung.

Immer wieder sind brutale (rechte) Dynamo-Ultras an Gewalt im Stadion beteiligt, immer wieder „entschuldigt“ sich der Verein

dpa | Die Fan-Ausschreitungen bei der Partie zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC beschäftigen auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB). „Wir können Ihnen bestätigen, dass der DFB-Kontrollausschuss nach den Vorkommnissen im Rahmen des Zweitligaspiels zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC zu Beginn der neuen Woche Ermittlungsverfahren gegen beide Vereine einleiten wird“, teilte der Verband auf Anfrage mit.

In einem ersten Schritt werden dann beide Vereine schriftlich zu Stellungnahmen aufgefordert, hieß es vom DFB. Am Samstagabend war bei dem Spiel in beiden Fanlagern zunächst Pyrotechnik gezündet worden. Danach kletterten Fans beider Teams über die Zäune. Dresdner Anhänger rannten vermummt entlang des Spielfeldes zum Hertha-Fanblock. Pyrotechnik wurde hin und her geschossen.

Platzsturm und Spielunterbrechung

Schiedsrichter Sven Jablonski musste die Begegnung unterbrechen und schickte die Teams in die Kabine. Polizisten versuchten, die Dynamo-Anhänger zurück in ihren Block zu drängen. Dort wurde dann eine Hertha-Fahne abgebrannt. Angesichts diverser Delikte in der Vergangenheit müssen Dresden und die Hertha möglicherweise mit empfindlichen Strafen durch die Verbandsgerichtsbarkeit rechnen.

Die Dresdner Polizei hatte mitgeteilt, mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren eingeleitet zu haben. Gegen die Fans werde wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung sowie Ticketbetrug ermittelt.

Dynamo vor Aufarbeitung: „Absoluter Schlag ins Kontor“

Die Vorkommnisse beim Zweitliga-Topspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC sind ein enormer Rückschlag im Kampf um die Erhaltung der Fankultur und bei der Stadionsicherheit. „Unsere Heimspiele sind bekannt für eine einzigartige Atmosphäre. Bilder, wie wir sie am heutigen Abend gesehen haben, sind nicht akzeptabel und schaden nicht nur unserem Verein, sondern dem gesamten Fußball in Deutschland massiv“, sagte Dynamos Geschäftsführer Stephan Zimmermann in einer Stellungnahme des Vereins nach dem 0:1 gegen Hertha BSC.

Zimmermann erklärte, dass er sich mit zahlreichen weiteren Vereinen bei den Politikern „seit Monaten für Faninteressen und ein sicheres Stadionerlebnis“ einsetzt. „Da sind solche Szenen ein absoluter Schlag ins Kontor“, betonte er. Schon während der Begegnung mit zwei Unterbrechungen redeten die Dynamo-Verantwortlichen mit den leitenden Einsatzkräften der Polizei, „um erste Erkenntnisse kommunikativ auszutauschen. Diese Wahrnehmungen und Beobachtungen sind jetzt Bestandteil der grundlegenden Aufarbeitung“, hieß es in der Stellungnahme.

„Wir müssen und werden diesen Abend detailliert auswerten und möchten uns bereits jetzt in höchster Form bei allen Unbeteiligten entschuldigen, die in solche unnötigen Aktionen hineingezogen wurden“, meinte Zimmermann.

Auch Dynamos Cheftrainer Thomas Stamm war sichtlich enttäuscht über die Vorkommnisse, gerade, weil die Zuschauer im Stadion zunächst würdevoll des verstorbenen Ehrenspielführers Hans-Jürgen Kreische gedacht hatten. „Der Sport hätte heute im Vordergrund stehen sollen, war es meiner Meinung nach nicht und noch viel schlimmer, dass wenn Du gerade die Anfangsphase auch mit Trauerminute, mit sehr viel Respekt auch von den Hertha-Fans – keiner hat irgendeinen Mucks gegeben – siehst, dann stehen nachher leider andere Dinge im Vordergrund, die nichts zu suchen haben im Fußball“, sagte Stamm auf der Pressekonferenz.

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