Nach dem Mietendeckel in Berlin: Die Blaczko-Mieter*innen antworten

Nach hämischen Mails ihrer Hausverwaltung wehren sich die Mie­te­r*in­nen von 22 Häusern nun gemeinsam gegen den Vermieter. Der beißt zurück.

Demo nach dem Kippen des Berliner Mietendeckels Ende April Foto: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen

BERLIN taz | Nach dem Scheitern des Berliner Mietendeckels am Bundesverfassungsgericht steigt die Konfliktbereitschaft von Mieter*innen. So haben sich Mie­te­r*in­nen in 22 Häusern der Blaczko-Hausverwaltung vernetzt. Diese war nach dem Scheitern des Mietendeckels dadurch aufgefallen, dass sie nicht nur die sofortige Zahlung der ausstehenden Mietbeträge einforderte, sondern die Aufforderungen noch mit hämischen Bemerkungen garnierte. So begannen die E-Mails nicht mit der üblichen Grußformel, sondern mit den Worten: „Zu früh gefreut“.

Dieser Umgang habe viele Mie­ter*in­nen besonders getroffen, erklärt Mio Becker gegenüber der taz. Er ist Mitbegründer der Berliner Mie­te­r*in­nengewerkschaft, die sich im letzten Jahr gegründet hat. „Wir haben in den 22 uns bekannten Blaczko-Häusern Flyer verteilt und sind so in Kontakt mit den Mie­ter*in­nen gekommen, die sich schon vorher ausgetauscht haben“, berichtet Becker.

Dann hätten sich online sofort Mie­ter*in­nen gemeldet, die dann gemeinsam den offenen Brief an Uscher Blaczko verfasst haben. Der Besitzer einer Wohnungsverwaltung mit Sitz in Berlin und Miami wurde aufgefordert, jeglichen Druck auf Mie­ter*in­nen zu unterlassen, die ihre Rechte einfordern. Außerdem fordern die Mie­ter*in­nen ihren Vermieter zur Einhaltung der Mietpreisbremse und zur Umwandlung von Teil- und Untermietverträgen in reguläre Mietverträge sowie zur fristgerechten Ausführung von Reparaturen auf.

Reparaturen nicht erledigt

Mie­ter*in­nen der Blaczko-Hausverwaltung hätten schon länger bemängelt, dass Reparaturanzeigen ignoriert würden, heißt es in dem Schreiben. Zudem monieren sie Mieten, die in der Vergangenheit bis zu 50 Prozent über dem Mietspiegel lagen, sowie Pauschalen für nicht existierende Möbel. Eine weitere Forderung der Mie­ter*in­nen ist die Entfernung der Videoüberwachungskameras und Kameraattrappen, die ohne die nötige Zustimmung aller Mie­te­r*in­nen in einigen Häusern installiert und betrieben wurden.

Im Zuge der Vernetzung haben die Mie­ter*in­nen festgestellt, dass kleinere und größere Ungerechtigkeiten in den Mietverhältnissen keine Einzelfälle, sondern Blaczko-Standard zu sein scheinen, so Becker. Auch in Miami haben sich inzwischen Mie­te­r*in­nen vernetzt und sind an die Öffentlichkeit gegangen.

Am Mittwochabend ging die Hausverwaltung dann in die Offensive: Als sich Mie­te­r*in­nen und Ak­ti­vis­t*in­nen der Mie­te­r:in­nen­ge­werk­schaft am Kottbusser Tor trafen, um erneut in den Blaczko-Häusern zu informieren, wurden sie von Sicherheitsleuten abgefangen und erhielten „Hausverbote“.

Doch nicht nur hier, sondern vor vielen der Blaczko-Häuser in Kreuzberg und Neukölln hatten sich Sicherheitsleute positioniert, die niemanden hinein ließen und – so sagten es die Be­woh­ne­r*in­nen – sogar die Klingelanlagen abgestellt hatten. Becker bezeichnete das Vorgehen als einen „unfassbaren Einschüchterungsversuch, wie wir ihn so noch nie von einer Hausverwaltung erlebt haben“. Das gehe „zutiefst gegen das Recht von Mie­te­r*in­nen, sich frei zusammenzuschließen und für ihre Rechte zu kämpfen“.

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