Nach Corona-Ausbruch auf Spargelhof: DGB fordert Schutz für Erntehelfer

Arbeitsquarantäne unterbreche nicht die Infektionsketten und sei illegal, sagt Vorstandsmitglied Anja Piel. Landkreis und Ministerium widersprechen.

Spargelernte auf dem Feld

Wer in Quarantäne ist, soll nicht arbeiten, fordert der DGB – auch nicht auf dem Spargelfeld Foto: Peter Steffen/dpa

BERLIN taz | Nach dem massiven Corona-Ausbruch auf einem niedersächsischen Spargelhof fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mehr Schutz für Erntehelfer. „Die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern müssen nach der Infektionswelle in Niedersachsen Lösungen entwickeln, um die Beschäftigten noch in dieser Saison besser zu schützen“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel der taz. Arbeitgeber und Behörden dürften das Problem nicht durch die sogenannte „Arbeitsquarantäne“ lösen. Auf dem großen Spargel- und Beerenbetrieb Thiermann in Kirchdorf durften nach einem Corona-Ausbruch Anfang Mai etwa 1.000 Beschäftigte beispielsweise aus Polen ihre Unterkünfte nur verlassen, um zu arbeiten.

„Wer unter Quarantäne gestellt wird, muss die Chance haben, sich zu isolieren, und darf nicht zur Arbeit verpflichtet werden“, verlangte Piel. „Es ist ein Unding, wenn Menschen unter behördlicher Quarantäne nicht nach dem Infektionsschutzgesetz entschädigt werden, stattdessen arbeiten müssen und dabei keine Möglichkeit haben, sich selbst zu versorgen.“

Arbeitsquarantäne sei auch keine akzeptable Maßnahme für den Infektionsschutz „und muss ein Ende haben“. Sie könne „angesichts der Zustände von Sammelunterkünften, der Enge bei Gemeinschaftstransporten und den fehlenden Abständen bei der Arbeit“ Infektionsketten kaum unterbrechen, ergänzte die Gewerkschafterin. „Die Behörden nehmen mit dieser Praxis zudem tiefe Eingriffe in die Grundrechte der Betroffenen vor, ohne dass es dafür eine Rechtsgrundlage gibt.“

Der zuständige Landkreis Diepholz verteidigte die Maßnahme, die am 18. Mai ausgelaufen sei. Die Arbeiter seien in getrennte Gruppen unterteilt gewesen, sagte eine Sprecherin des Kreises. „Auch hatten die Saisonarbeitskräfte, die zum Großteil ausschließlich aufgrund der Arbeit nach Deutschland reisen, so zumindest die Möglichkeit, ihrer Beschäftigung freiwillig weiterhin nachzugehen.“ Sonst hätten sie leistungsbezogene Zulagen des Arbeitgebers nicht erhalten. Zudem dürften nur Kontaktpersonen in Arbeitsquarantäne sein. „Für positiv getestete Personen gelten die normalen Quarantäneregelungen.“ Die Zahl der Neuinfektionen sinke, also wirkten die Maßnahmen.

Das Bundesagrarministerium rechtfertigte es, dass alle neu ankommenden Erntehelfer aus Risiko- oder Hochinzidenzgebieten zunächst in Arbeitsquarantäne gehen müssen. Andernfalls könnten sie nicht ihre Tätigkeit aufnehmen, so ein Sprecher von Ministerin Julia Klöckner (CDU). Die Arbeitsquarantäne dürfe nach einem negativen Testergebnis entweder sofort oder fünf Tage nach der Einreise vorzeitig beendet werden.

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