Nach 16 Tagen in US-Abschiebehaft: 85-jährige Französin zurück in Frankreich
Der Liebe wegen war die Seniorin in die USA gereist. Doch nachdem ihr Partner verstorben und ihr Touristenvisum ausgelaufen war, klopften ICE-Beamte an ihrer Tür und nahmen sie fest.
afp | Eine 85 Jahre alte Französin ist nach 16 Tagen in US-Abschiebehaft am Freitag wieder nach Frankreich zurückgekehrt. „Wir sind sehr erleichtert, unsere Mutter wiederzusehen“, sagte ihr Sohn Hervé bei einer Pressekonferenz mit seinen Geschwistern in der Stadt Orvault im Westen Frankreichs, in der Marie-Thérèse viele Jahre lebte. Die 85-Jährige war am 1. April von der US-Einwanderungspolizei festgenommen und im Bundesstaat Louisiana in Abschiebehaft genommen worden.
Das US-Heimatschutzministerium bestätigte gegenüber AFP die Festnahme der Seniorin am 1. April. Sie sei im Juni 2025 mit einem 90 Tage lang gültigen Touristenvisum in die USA eingereist, habe sich aber „sieben Monate später“ immer noch in den Vereinigten Staaten aufgehalten, erklärten die US-Behörden.
Die Französin hatte beschlossen, in den USA zu bleiben und noch 2025 einen ehemaligen Oberst der US-Luftwaffe zu heiraten, den sie vor rund 60 Jahren kennengelernt hatte, während sie als Fremdsprachensekretärin auf einem Nato-Stützpunkt arbeitete. Nach dem Tod ihres früheren Mannes hatten die beiden wieder Kontakt aufgenommen. Der Vietnamkriegsveteran starb jedoch im Januar mit 85 Jahren.
Nach Angaben ihres Sohnes hoffte Marie-Thérèse auf eine „offizielle Bestätigung“ ihrer Green Card und war im Besitz einer US-Sozialversicherungskarte. Sie habe noch „auf die gerichtliche Entscheidung über ihren Nachlass am 9. April“ gewartet, um „nach diesem Urteil“ nach Frankreich zurückzukehren, sagte ihr Sohn.
Nachbarn seiner in Alabama lebenden Mutter hätten berichtet, dass seine betagte Mutter „an Händen und Füßen gefesselt“ abgeführt worden sei, sagte ihr Sohn Hervé. Die New York Times zitierte einen namentlich nicht genannten Sohn der Seniorin mit den Worten, dass Marie-Thérèse bei der Ankunft am Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle noch die Kleidung vom Tag ihrer Festnahme getragen habe, „ihre orangefarbenen Schuhe, eine Jogginghose und ein graues Sweatshirt, voller Flecken und Löcher“.
Angesprochen auf die Methoden der US-Einwanderungsbehörde (ICE) sagte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot, es handele sich dabei „nicht um Methoden, die zwangsläufig mit den für uns geltenden und akzeptablen Methoden im Einklang stehen“. Er spreche hier „nicht von dem konkreten Fall, sondern ganz allgemein“. Es habe Fälle von Gewalt gegeben, „die unsere Besorgnis erweckt haben“, aber „das Wichtigste ist, dass sie zurück in Frankreich ist“, sagte der Außenministerin mit Blick auf die 85-jährige Heimkehrerin.
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