Mutmaßlicher Nazi-Terror 1991: Ermittlungserfolg nach 30 Jahren

1991 starb ein Mann bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Saarlouis. Nun hat die Polizei einen rechten Tatverdächtigen identifiziert.

Mitarbeiter einer Werbefirma befestigen am Dienstag (14.11.2006) an der Fassade der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin Namen von Opfern des Fremdenhasses in Deutschland

Opfer von Fremdenhass: Samuel Yeboah aus Ghana starb 1991 bei einem Brandanschlag in Saarlouis Foto: Wolfgang Kumm/dpa

KARLSRUHE afp | Im Fall eines tödlichen Brandanschlags auf ein saarländisches Flüchtlingsheim hat die Bundesanwaltschaft nach fast 30 Jahren einen mutmaßlichen Täter ermittelt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP vom Donnerstag handelt es sich dabei um einen 49-jährigen Rechtsextremisten aus Saarlouis. Am Morgen wurden die Wohnung und der Arbeitsplatz des mutmaßlichen Täters durchsucht, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte. Zuerst hatte der Spiegel berichtet.

Bei vier Menschen, die nicht an der Tat beteiligt gewesen sein sollen, gab es laut Bundesanwaltschaft ebenfalls Durchsuchungen. Festgenommen wurde der Verdächtige nicht, weil die Voraussetzungen für einen Haftbefehl nicht erfüllt gewesen seien.

Der Mann wird verdächtigt, am 19. September 1991 einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Saarlouis verübt zu haben, bei dem der 27-jährige Samuel Yeboah aus Ghana starb und zwei Menschen verletzt wurden. Zum Zeitpunkt des Brands befanden sich 19 Menschen in dem Gebäude.

Die Ermittlungen gegen Unbekannt wurden zwischenzeitlich eingestellt. Neue Erkenntnisse hätten schließlich dazu geführt, die Ermittlungen wieder aufzunehmen, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Ausschlaggebend seien „gravierende Anhaltspunkte“ für ein rechtsextremistisches Verbrechen gewesen, die sich „vor nicht allzu langer Zeit“ ergeben hätten. Die Ermittlungen dauern an.

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