: Musik und Märchen
Kolumbien Notfallpädagogische Maßnahmen beschleunigen auch die Wundheilung
In Kolumbien gibt es schätzungsweise 14.000 minderjährige Soldaten, 30.000 Kinder leben auf der Straße, 68 Prozent aller Kinder werden misshandelt – und ein Drittel hat keinen Zugang zur Schulbildung. Kolumbiens Kinder brauchen dringend Hilfe. Versuche der Regierung, gegen Kriminalität vorzugehen, sowie eine Initiative zur Resozialisierung von Kindersoldaten zeitigten bisher nur geringe Erfolge.
2013 reiste Bernd Ruf, Gründer der Notfallpädagogik bei den Freunden der Erziehungskunst, in die Millionenstadt Cali, um Eltern, Lehrer und Helfer für einen fachgerechten Umgang mit Symptomen von kriegs- und fluchtbedingten Traumata zu sensibilisieren. Längerfristiges Ziel war der Aufbau eigenständig arbeitender notfallpädagogischer Teams vor Ort.
Eine Ärztin und eine Krankenschwester einer Brandverletztenstation für Kinder und Jugendliche an der Universitätsklinik Cali nahmen an dem Seminar teil – und führten im Anschluss notfallpädagogische Angebote auf ihrer Station ein. Neben Anfangs- und Schlusskreis standen musikalische und künstlerische Projekte – auch für Bettlägerige – sowie Märchenerzählen auf dem Programm. Maßnahmen, die es Patienten ermöglichen, Erlebtes nonverbal auszudrücken.
Eine Evaluierung der Initiative über zwölf Monate förderte überraschende Ergebnisse zutage: Das Programm hatte sich nicht nur auf die Psyche der Kinder und Jugendlichen positiv ausgewirkt – sondern auch die Wundheilung positiv beeinflusst. Kinder, die teilgenommen hatten, erholten sich schneller von ihren Verbrennungen. Die pädagogischen Methoden helfen, den Traumastress abzubauen, die Resilienzkräfte zu stärken und den Heilungsprozess zu fördern. Das Projekt, dem anfangs viele skeptisch gegenüberstanden, soll nun auf andere Abteilungen ausgeweitet werden. kbh
Nur noch 390 – dann sind wir 50.000
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 390 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen