Erstes Mal im Hotel: Sex mit Aussicht
Mira ist zunächst skeptisch, als D. vorschlägt, ein Hotelzimmer zu mieten. Doch dann findet sie es genial – wenn nur die Betten nicht so rutschten!
I ch hole die Schlüsselkarte an der Rezeption ab, wo D. sie für mich hinterlegt hat und fahre hoch in den 20. Stock. Das Zimmer ist das letzte den Gang herunter. Ich öffne die Tür, mache ein paar Schritte in den Raum – und blicke direkt auf den Berliner Fernsehturm. Wow. D. ist noch nicht da, hat aber das Zimmer dekoriert: Auf dem Bett liegen Kondome, auf einem Regal steht ein Dildo. Er hat Humor.
Die letzte Stunde zu Hause habe ich damit verbracht, Kleider, Röcke, BHs, Strumpfhosen und Jacken auf den Boden zu werfen. Am Ende habe ich mich für einen Leo-Rock und einen schwarzen Rollkragenpullover entschieden, doch im Zimmer ist es so warm, dass ich aus dem Pullover schlüpfen muss. Bevor ich mir eine Alternative überlegen kann, um D. nicht gleich in Dessous zu empfangen, klickt das Türschloss, und ich stehe mit kaum verdeckten Brüsten vor ihm. Was soll’s – wozu sind wir denn auch hier.
Wir wissen nicht recht, wie wir uns begrüßen sollen – bei unseren ersten beiden Dates hatten wir uns noch nicht einmal geküsst. Als D. für dritte Date vorschlug, sich in einem Hotel zu treffen, Donnerstag nächster Woche, Link zur Webseite, hielt ich das zunächst für totalen Unsinn. Ich habe schließlich eine Wohnung.
Aber ich fand auch reizvoll, in der eigenen Stadt in einem Hotel zu übernachten. Und mir das Aufräumen, Putzen, Bettwäsche wechseln zu ersparen. Hotel bedeutete außerdem: weniger intim als zu Hause und damit irgendwie unverbindlicher. Also sagte ich ja, wählte aber ein anderes Hotel. Wennschon, dennschon.
Erstmal Pizza essen
Unverbindlich war mir wichtig: D. führt mit seiner langjährigen Partnerin eine offene Beziehung. Einerseits reizte mich das, das war neu für mich, und ich mag Herausforderungen. Andererseits schienen mir Komplikationen fast unvermeidbar: Was zum Beispiel, wenn sich eine:r von uns verliebt? Lieber also ein neutraler Ort, so hatte ich weniger das Gefühl, ihn in mein Leben zu lassen.
Eine Woche später sind wir also hier. Als die Pizza gegessen ist, unsere Nervosität gewichen und uns rot lackierte Nägel, Abendsonne hinterm Fernsehturm und Wein ins Bett verführt haben, rutschen die zwei aneinander geschobenen Bettkästen ständig auseinander. Ein Knie landet in der Lücke, ein Ellenbogen, ein Po. Bis wir das Bett zwischen Wand und Sesseln einkeilen. D. küsst mit Zunge und Fingern und fährt mit den feuchten Spitzen über meine Brüste. Ich beiße sanft in sein Ohrläppchen, und ihm fährt ein Schauer durch den ganzen Körper. Und noch einer. Er will schon ein Kondom aufreißen, aber ich will, dass er mich leckt.
Nachts, als es schon dunkel ist, sitze ich am Bettrand und schaue auf die Lichter der Stadt. Es böte sich schon an, direkt am Fenster Sex zu haben, denke ich, muss dann aber in Erinnerung an den performativen Sex neulich bei mir zu Hause vor dem Spiegel leise lachen. Ich lege mich wieder hin, D. kuschelt sich an mich.
Als ich am Morgen aufwache, sitzt D. neben mir und schaut mich an. Ich stütze mich auf meinem Ellenbogen ab und nehme seinen erigierten Schwanz in den Mund. Kurz darauf holt er ein Kondom, dreht mich um und gleitet in mich hinein.
Später ziehe ich den Vorhang neben dem Bett zur Seite. Nun trennt nur noch eine durchsichtige Glasscheibe das Zimmer von der Badekabine. Ich dusche mit Blick auf den Fernsehturm und D.s Blicken auf mir. Es ist das erste Mal, dass ich durchsichtigen Hotelbadwänden etwas abgewinnen kann. Zum Frühstück gibt’s kalte Pizza, dann geht’s zur Arbeit.
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