piwik no script img

Minenunglück in ZentralafrikaUnter Massen von Schlamm begraben

Beim Einsturz einer Goldmine in der Zentralafrikanischen Republik wurden mehr als 100 Menschen verschüttet. Die Zahl der Toten ist noch unklar.

Simone Schlindwein

Aus Kampala

Simone Schlindwein

Entlang der Grenze zwischen der Zentralafrikanischen Republik und Kamerun ist am Dienstag eine Goldmine eingestürzt, dabei wurden mehr als hundert Menschen verschüttet. Die endgültigen Todeszahlen seien noch immer nicht bekannt, berichten Hilfsarbeiter und Behörden vor Ort, da die Bergungsmaßnahmen noch immer andauerten, so die Angaben von Mitarbeitern des Roten Kreuzes vor Ort.

Handyvideos, die in den sozialen Medien viral gingen, zeigen das ganze Ausmaß der Katastrophe: Darauf sieht man Tausende junge Männer, einige womöglich noch Kinder, in einer gewaltigen Grube knietief im Matsch stehen, um per Hand das Gold auszuwaschen. Plötzlich rutscht eine Schlammlawine den Hang hinab und begräbt diejenigen, die in der Senke der Grube stehen. Im Hintergrund hört man panische Schreie.

Die Goldmine liegt in der Gegend rund um den Ort Zamboye, knapp 50 Kilometer entfernt von der Kleinstadt Baboua in der Zentralafrikanischen Republik. Von Baboua sind es rund 50 Kilometer auf der Überlandstraße bis an die Grenze zu Kamerun – einer wichtigen Lebensader und Handelsroute für das zentralafrikanische Land.

Der Goldabbau findet in der Zentralafrikanischen Republik noch immer weitestgehend manuell statt. Mit Spitzhacken und Schaufeln graben junge Männer ohne genügend Schutzausrüstung und Sicherheitsvorkehrungen Löcher in die Erde und heben Tunnel aus. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft von Baboua, die nun Ermittlungen eingeleitet hat, seien zunächst die unterirdischen Tunnel eingestürzt und hätten dadurch den Erdrutsch verursacht. Die Regenzeit setzt langsam in der Region ein und weicht die Erde auf. Im Juni war bereits in der nahe gelegenen Ortschaft Be-Mbari eine Goldmine eingestürzt, dabei wurden Dutzende Menschen verschüttet.

Hoch im Kurs

Unter den Toten und Verschütteten in Zamboye seien auch Männer aus dem benachbarten Kamerun, so Grégoire Mvongo, Gouverneur der angrenzenden ostkamerunischen Region. Gegenüber dem kamerunischen Radiosender CRTV stellte er klar, dass man „in enger Zusammenarbeit mit unseren zentralafrikanischen Kollegen daran arbeitet, die Folgen dieser Tragödie zu bewältigen“.

Zentralafrikas Goldreserven stehen derzeit hoch im Kurs. Auf der Suche nach einem Einkommen lockt der hohe Goldpreis arbeitslose Bevölkerung in Massen in die Gruben. Aufgrund des hohen Goldpreises auf dem Weltmarkt bemühen sich die russischen Söldner der Gruppe Wagner, die in der Zentralafrikanischen Republik stationiert sind, um die völlige Kontrolle des offiziellen aber auch des informellen Goldexports.

Laut des jüngsten Berichts der Global Initiative against Transnational Organized Crimes (GI-TOC), ein Thinktank, der grenzübergreifende, organisierte Kriminalität unter die Lupe nimmt, wurden 2025 rund sieben Tonnen Gold offiziell ausgeführt, fast die dreifache Menge als im Jahr zuvor.

Industrielle Förderung

Die Russen haben jüngst in zahlreichen Goldgruben des Landes angefangen, das Edelmetall auch industriell zu fördern. In anderen Regionen kauft Wagner Gold von Schürfern. Diese waschen das Gold per Hand aus und verkaufen es dann an die Goldexportfirma Sigma Gold.

Die Firma fliegt große Mengen Gold offiziell mit russischen Flugzeugen weiter nach Dubai aus, wo das Gold eingeschmolzen wird. „In unserer Analyse sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die Russen zwar in alle Sektoren investiert haben“, so Ruben de Koning, Autor des oben genannten Berichts, gegenüber der taz. „Aber letztendlich scheint der lukrativste Sektor der Goldsektor zu sein.“

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare